Welche gesundheitlichen Risiken birgt Mikroplastik in stillem Mineralwasser aus Plastikflaschen?

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Die gesundheitlichen Risiken von Mikroplastik in stillem Mineralwasser aus Plastikflaschen (meist PET) sind derzeit Gegenstand intensiver Forschung. Da wir Menschen erst seit wenigen Jahrzehnten in diesem Ausmaß Mikroplastik ausgesetzt sind, fehlen noch langfristige epidemiologische Studien.

Dennoch zeigen aktuelle Untersuchungen und Labortests mehrere potenzielle Gefahrenbereiche auf. Hier ist eine Übersicht der Risiken:

1. Physische Belastung und Entzündungen

Die winzigen Plastikpartikel können, wenn sie klein genug sind (besonders im Nanobereich), die Darmbarriere überwinden und in den Blutkreislauf sowie in Organe (Leber, Niere, Milz) gelangen.

  • Fremdkörperreaktion: Der Körper erkennt diese Partikel als Eindringlinge. Dies kann zu lokalen Entzündungsreaktionen im Gewebe führen.
  • Oxidativer Stress: In Zellen können die Partikel die Bildung freier Radikale fördern, was Zellschäden verursachen kann.

2. Chemische Risiken durch Zusatzstoffe (Additive)

Das Plastik selbst ist oft weniger das Problem als die darin enthaltenen Chemikalien, die sich im Wasser lösen können:

  • Endokrine Disruptoren (Hormonwirksame Stoffe): Viele Weichmacher (Phthalate) oder Bisphenole (wie BPA, wobei PET oft als BPA-frei gilt, aber andere Ersatzstoffe enthalten kann) wirken wie künstliche Hormone. Sie können den Hormonhaushalt stören, was mit Unfruchtbarkeit, verfrühter Pubertät und Stoffwechselstörungen in Verbindung gebracht wird.
  • Antimon: Dieses Schwermetall wird als Katalysator bei der PET-Herstellung verwendet. Studien zeigen, dass es aus der Flaschenwand ins Wasser übergehen kann – besonders bei längerer Lagerung oder Hitzeeinwirkung.

3. Der „Trojanische Pferd“-Effekt

Mikroplastikpartikel haben eine hydrophobe (wasserabweisende) Oberfläche, an der sich andere Schadstoffe aus der Umwelt leicht anlagern:

  • Schadstoff-Anreicherung: Pestizide, Schwermetalle oder polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) können an den Partikeln haften.
  • Transport in den Körper: Das Mikroplastik dient als Transportmittel, das diese konzentrierten Gifte direkt in das Verdauungssystem und die Zellen schleust.

4. Mikrobiologische Risiken

Auf der Oberfläche von Mikroplastikpartikeln können sich Biofilme bilden. Das sind Gemeinschaften von Bakterien, zu denen auch Krankheitserreger gehören können. Diese „Anhalter“ können so die Magensäure besser überstehen und Infektionen begünstigen.

Warum ist stilles Wasser in Plastikflaschen besonders betroffen?

Untersuchungen (u. a. der University of Newcastle und von Organisationen wie Orb Media) haben gezeigt, dass Mineralwasser aus Plastikflaschen teilweise doppelt so viel Mikroplastik enthält wie Leitungswasser.

  • Abrieb: Das Plastik stammt oft direkt vom Flaschenmaterial oder dem Deckel (beim Öffnen und Schließen entsteht Abrieb).
  • Reinigungsprozesse: Bei Mehrweg-Plastikflaschen können die Reinigungsprozesse die Struktur des Kunststoffs schwächen und Partikel lösen.

Aktueller Stand der Wissenschaft (Einordnung)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) gab 2019 eine vorläufige Entwarnung dahingehend, dass nach aktuellem Wissensstand keine akute Gefahr für die menschliche Gesundheit besteht. Sie betonte jedoch gleichzeitig, dass die Datenlage unzureichend sei und dringend mehr Forschung betrieben werden müsse – insbesondere zu Nanoplastik, das tief in Gewebe eindringen kann.

Was kann man tun?

Wenn Sie die Aufnahme von Mikroplastik reduzieren möchten:

  1. Glasflaschen bevorzugen: Mineralwasser aus Glasflaschen enthält deutlich weniger Mikroplastikpartikel.
  2. Leitungswasser trinken: In Deutschland ist Leitungswasser eines der am besten kontrollierten Lebensmittel und enthält in der Regel deutlich weniger Mikroplastik als Flaschenwasser.
  3. Lagerung: Plastikflaschen nicht in der Sonne oder bei hohen Temperaturen lagern, da Hitze das Herauslösen von Chemikalien und Mikropartikeln beschleunigt.
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