Wie belasten Mikroplastik oder synthetische Polymere in Flüssigseifen das Abwasser?

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Mikroplastik und synthetische Polymere in Flüssigseifen (und anderen Kosmetikprodukten) stellen eine erhebliche Belastung für die Abwassersysteme und die Umwelt dar. Dabei muss man zwischen festem Mikroplastik (Partikeln) und gelösten, flüssigen oder gelartigen Polymeren unterscheiden.

Hier ist eine detaillierte Aufschlüsselung, wie diese Stoffe das Abwasser und die Umwelt belasten:

1. Der Weg ins Abwasser

Wenn wir uns die Hände waschen, gelangen die Inhaltsstoffe der Seife direkt in den Abfluss. Da Flüssigseifen täglich millionenfach verwendet werden, summieren sich auch kleinste Mengen pro Anwendung zu riesigen Frachten auf.

2. Problematik in der Kläranlage

Moderne Kläranlagen sind zwar sehr effizient, aber sie wurden nicht spezifisch für die Entfernung von Mikroplastik und synthetischen Polymeren gebaut.

  • Rückhaltbarkeit: Feste Mikroplastikpartikel können zu etwa 95 % bis 99 % im Klärschlamm gebunden werden. Das klingt zunächst gut, bedeutet aber bei den enormen Wassermengen immer noch, dass Milliarden von Partikeln die Kläranlage passieren und direkt in Flüsse und Meere gelangen.
  • Gelöste Polymere: Flüssige oder gelöste synthetische Polymere (z. B. Polyquaternium, Acrylate) sind deutlich schwieriger herauszufiltern. Sie sind oft wasserlöslich und passieren die mechanischen und biologischen Reinigungsstufen der Kläranlage fast ungehindert.
  • Klärschlamm-Problematik: Der Teil des Mikroplastiks, der zurückgehalten wird, landet im Klärschlamm. In vielen Ländern wird dieser Schlamm als Dünger auf Felder ausgebracht. So gelangt das Plastik aus der Seife indirekt in den Boden, ins Grundwasser oder wird durch Wind weitergetragen.

3. Umweltbelastungen durch diese Stoffe

Einmal in der Umwelt angekommen, entfalten diese Stoffe verschiedene negative Wirkungen:

  • Mangelnde biologische Abbaubarkeit (Persistenz): Die meisten synthetischen Polymere sind extrem langlebig. Die Natur hat keine Mechanismen, um diese komplexen Kunststoffketten zeitnah abzubauen. Sie reichern sich über Jahrzehnte oder Jahrhunderte an.
  • Magnet für Schadstoffe: Mikroplastikpartikel haben die Eigenschaft, im Wasser gelöste Umweltgifte (wie Pestizide oder PCB) wie ein Schwamm anzusaugen und zu konzentrieren.
  • Nahrungskette: Kleinstlebewesen verwechseln Partikel mit Nahrung. Dadurch gelangen die Kunststoffe und die daran haftenden Schadstoffe in die Nahrungskette (Bioakkumulation) und landen letztlich auch im menschlichen Körper.
  • Trübung und chemische Veränderung: Gelöste Polymere können die Oberflächenspannung des Wassers verändern oder die Lichtdurchlässigkeit beeinflussen, was Auswirkungen auf das Algenwachstum und das gesamte Ökosystem haben kann.

4. Warum sind diese Stoffe überhaupt in der Seife?

Hersteller verwenden sie aus verschiedenen Gründen:

  • Trübungsmittel: Damit die Seife schön perlmuttartig glänzt.
  • Bindemittel/Konsistenzgeber: Um die gewünschte Viskosität (Zähflüssigkeit) zu erreichen.
  • Rückfetter/Hautgefühl: Damit sich die Haut nach dem Waschen geschmeidig anfühlt (oft durch flüssige Kunststoffe wie Polyquaternium erreicht).

5. Aktuelle Entwicklungen und Verbote

  • EU-Verbot: Die Europäische Union hat im September 2023 ein Verbot für bewusst zugesetztes Mikroplastik erlassen. Feste Mikroplastik-Partikel (z. B. Peeling-Körner) werden schrittweise verboten.
  • Die Grauzone: Das Verbot betrifft primär feste Partikel. Flüssige, gelöste oder wasserlösliche synthetische Polymere sind von den aktuellen Verboten oft noch ausgenommen, obwohl Umweltschutzorganisationen wie Greenpeace oder der NABU auch hier vor massiven Langzeitschäden warnen.

Was kann man als Verbraucher tun?

  1. Zertifizierte Naturkosmetik: Diese Produkte dürfen per Definition kein Mikroplastik und keine erdölbasierten synthetischen Polymere enthalten.
  2. Stückseife nutzen: Klassische feste Seifen kommen fast immer ohne diese flüssigen Kunststoffe aus und sparen zudem Plastikverpackung.
  3. Inhaltsstoffe prüfen: Apps wie CodeCheck oder ToxFox scannen den Barcode und zeigen sofort an, ob schwer abbaubare Polymere enthalten sind. Achten Sie auf Begriffe wie Acrylates Copolymer, Carbomer oder Polyquaternium.
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