Ist die Entsorgung von Spülmittel über das Abwasser schädlich für Wasserorganismen?
Die kurze Antwort lautet: Ja, Spülmittel ist potenziell schädlich für Wasserorganismen, aber die Gefahr wird durch moderne Kläranlagen und gesetzliche Vorschriften stark reduziert.
Hier ist die detaillierte Erklärung, warum Spülmittel problematisch ist und wie das System heute funktioniert:
1. Warum ist Spülmittel gefährlich?
Die Hauptwirkstoffe in Spülmitteln sind Tenside. Diese haben chemische Eigenschaften, die in der Natur mehrere Probleme verursachen:
- Zerstörung der Oberflächenspannung: Tenside setzen die Oberflächenspannung des Wassers herab. Wasserläufer können dann nicht mehr auf dem Wasser laufen und gehen unter. Auch der Gasaustausch an der Wasseroberfläche kann gestört werden.
- Schädigung der Atmungsorgane: Bei Fischen greifen Tenside die empfindlichen Kiemen an. Sie lösen die schützende Schleimhaut auf, was die Atmung erschwert und die Fische anfälliger für Krankheitserreger und Giftstoffe macht.
- Aufnahme von Schadstoffen: Durch die verringerte Oberflächenspannung können andere Schadstoffe (wie Schwermetalle oder Pestizide) leichter in die Körper von Wasserorganismen eindringen.
2. Gesetzliche Regelungen (Abbaubarkeit)
In der EU gilt seit Jahren die Detergenzienverordnung. Sie schreibt vor, dass die in Wasch- und Reinigungsmitteln verwendeten Tenside vollständig biologisch abbaubar sein müssen.
- Das bedeutet, dass sie innerhalb kurzer Zeit von Mikroorganismen in Wasser, CO₂ und Mineralsalze zerlegt werden müssen.
- Wichtig: "Abbaubar" bedeutet nicht "ungiftig". Während des Abbauprozesses und direkt nach der Einleitung können sie dennoch Schaden anrichten.
3. Der Weg über das Abwasser (Kläranlagen)
Wenn du Spülmittel in den Ausguss schüttest, landet es in der Kanalisation und dann in einer Kläranlage.
- Moderne Kläranlagen filtern und bauen den Großteil der Tenside (ca. 95 % bis 99 %) ab, bevor das Wasser wieder in Flüsse geleitet wird.
- Das Problem ist also weniger die sachgemäße Entsorgung über das Abwasser, sondern vielmehr die direkte Einleitung (z. B. beim Camping am See oder wenn Putzwasser in den Regenwasserabfluss auf der Straße geschüttet wird, der oft ungefiltert in Gewässer führt).
4. Weitere problematische Inhaltsstoffe
Neben Tensiden enthalten viele Spülmittel:
- Duftstoffe: Manche (wie Limonene) sind hochgiftig für Wasserorganismen und bauen sich schwerer ab.
- Konservierungsstoffe: Diese sollen Bakterien im Fläschchen abtöten, können aber auch die nützlichen Bakterien in der Kläranlage oder im Gewässer schädigen.
- Farbstoffe: Diese sind oft biologisch schwer abbaubar.
Wie man die Umweltbelastung minimiert:
- Dosierung: Benutze so wenig Spülmittel wie möglich. Viel Schaum bedeutet nicht gleich mehr Sauberkeit.
- Öko-Produkte wählen: Achte auf Siegel wie den „Blauen Engel“ oder das „EU-Ecolabel“. Diese Produkte verwenden Tenside auf pflanzlicher Basis und verzichten oft auf kritische Duft- und Konservierungsstoffe.
- Keine direkte Entsorgung: Schütte niemals Spülwasser direkt in einen See, Bach oder in den Gulli auf der Straße (Regenwasserkanal).
- Konzentrate nutzen: Diese sparen Verpackungsmüll und Transportwege, müssen aber besonders vorsichtig dosiert werden.
Fazit: Über die normale Abwasserentsorgung und Kläranlagen ist das Risiko für die Umwelt heute kontrollierbar. Dennoch bleibt Spülmittel eine chemische Belastung, die man durch sparsame Verwendung und die Wahl umweltfreundlicherer Produkte reduzieren sollte.