Weshalb fehlt Gebäck aus Mehl Type 405 oft die nötige Standfestigkeit für schwere Füllungen wie Nüsse oder Früchte?
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Dass Gebäck aus Mehl der Type 405 bei schweren Füllungen oft „schlappmacht“ oder die Früchte nach unten sinken, liegt vor allem an der physikalischen Struktur und der chemischen Zusammensetzung dieses Mehls.
Hier sind die Hauptgründe für die mangelnde Standfestigkeit:
1. Niedriger Proteingehalt (Gluten)
Der wichtigste Faktor ist der Anteil an Klebereiweiß (Gluten).
- Type 405 ist ein sehr helles, fein ausgemahlenes Mehl mit einem vergleichsweise niedrigen Proteingehalt (meist ca. 9–10 %).
- Die Funktion von Gluten: Beim Kneten und Backen bildet das Gluten ein elastisches Gerüst (das „Klebernetz“). Dieses Netz hält das Gebäck zusammen und stützt die Zutaten.
- Das Problem: Bei Type 405 ist dieses Gerüst sehr zart und fein. Schwere Zutaten wie Nüsse, in Sirup eingelegte Früchte oder schwere Marzipanmassen sind schlicht zu schwer für dieses schwache Netz. Sie „reißen“ durch das Gefüge und sinken während des Backprozesses auf den Boden der Form.
2. Geringe Wasseraufnahmefähigkeit
Mehl der Type 405 ist sehr stärkereich und mineralstoffarm.
- Da es sehr fein ist, kann es Feuchtigkeit schnell aufnehmen, aber insgesamt bindet es weniger Wasser als backstärkere Mehle (wie Type 550 oder 1050).
- Das Problem: Schwere Füllungen (besonders Früchte) geben beim Backen Saft ab. Ein Teig aus Type 405 kann diese zusätzliche Flüssigkeit oft nicht stabil binden. Der Teig wird um die Frucht herum instabil und „matschig“, was die Standfestigkeit weiter verringert.
3. Die Stärkestruktur
Type 405 ist darauf optimiert, Gebäck mürbe und locker zu machen (ideal für Kekse oder feine Biskuits).
- Die Stärkekörner sind bei diesem Mahlgrad sehr freigelegt. Das sorgt für eine feine Porenbildung.
- Das Problem: Eine feine Porenbildung bedeutet auch dünne Zellwände im Teig. Diese Wände haben nicht die mechanische Kraft, um schwere Stücke (z. B. halbe Walnüsse oder Kirschen) in der Schwebe zu halten, während der Teig aufgeht.
4. Geringere Viskosität des Teigs
Ein Teig aus Type 405 ist bei gleicher Flüssigkeitsmenge meist dünnflüssiger als ein Teig aus Type 550.
- In einem dünnflüssigeren Teig ist der Widerstand gegen das Absinken von schweren Gegenständen geringer (Stichwort: Viskosität). Bevor das Gebäck durch die Hitze im Ofen fest wird („abbindet“), haben die schweren Füllungen genug Zeit, zum Boden zu wandern.
Tipps für mehr Standfestigkeit:
Wenn du schwere Füllungen verwenden möchtest, hast du drei Möglichkeiten:
- Mehltype wechseln: Verwende Type 550 (Backstarkes Mehl). Es hat mehr Protein und bildet ein stabileres Gerüst, das Früchte und Nüsse besser hält. Es ist der Standard für Hefeteige und schwere Rührteige (z. B. Stollen).
- Früchte mehlieren: Wälze Nüsse oder Trockenfrüchte in etwas Mehl, bevor du sie unterhebst. Das Mehl fungiert als „Klebstoff“ zwischen der glatten Oberfläche der Füllung und dem Teig.
- Teigfestigkeit anpassen: Reduziere die Flüssigkeitsmenge im Rezept minimal, um den Teig insgesamt zäher zu machen, damit die mechanische Bremswirkung für die Füllung höher ist.