Welche Gefahren bestehen beim Tragen von Arbeitshandschuhen an rotierenden Maschinen?

Melden

Das Tragen von Arbeitshandschuhen an rotierenden Maschinen (wie Bohrmaschinen, Drehbänken, Fräsen oder Schleifböcken) ist eine der gefährlichsten Unfallquellen in der Industrie und im Handwerk. In den meisten Fällen ist es daher strengstens verboten.

Hier sind die spezifischen Gefahren im Detail erklärt:

1. Die Einzuggefahr (Hauptgefahr)

Die größte Gefahr besteht darin, dass der Handschuh von den rotierenden Teilen der Maschine (Spindel, Bohrer, Werkstück, Zahnräder) erfasst wird.

  • Kein Entkommen: Während die menschliche Haut bei kurzem Kontakt eventuell nur abgeschürft wird oder abrutscht, verhaken sich die Textilfasern oder das Leder des Handschuhs in der Maschine.
  • Hebelwirkung: Da Handschuhe meist sehr reißfest sind, wird nicht nur der Handschuh zerfetzt, sondern die gesamte Hand und oft auch der Arm mit enormer Kraft in die Maschine hineingezogen.

2. Schwere der Verletzungen

Die Verletzungen, die durch das Einziehen entstehen, sind meist weitaus schwerwiegender als Schnittwunden, die man durch das Tragen der Handschuhe eigentlich verhindern wollte:

  • Trümmerbrüche: Knochen werden durch die rotierende Kraft regelrecht zertrümmert.
  • Amputationen: Finger oder ganze Hände können abgerissen oder so schwer gequetscht werden, dass sie amputiert werden müssen.
  • Skalpierung der Hand: Die Haut kann großflächig vom Muskel- und Knochengewebe abgezogen werden (Degloving-Verletzung).
  • Sehnen- und Nervenschäden: Durch den extremen Zug werden Sehnen aus dem Unterarm gerissen.

3. Falsches Sicherheitsgefühl

Handschuhe vermitteln dem Bediener ein trügerisches Gefühl von Sicherheit. Man neigt dazu, mit den Händen näher an rotierende Teile heranzugehen (z. B. um Späne wegzuwischen), da man glaubt, vor Schnitten geschützt zu sein. Bei rotierenden Maschinen ist jedoch Abstand der einzige wirksame Schutz.

4. Verlust der Haptik und Griffigkeit

Handschuhe schränken das Tastgefühl und die Feinmotorik ein. Dies kann dazu führen, dass man mit dem Werkzeug abrutscht oder hängen bleibt, was wiederum das Risiko erhöht, in den Gefahrenbereich der Maschine zu geraten.


Die goldene Regel der Arbeitssicherheit

An Maschinen mit offen rotierenden Werkzeugen oder Werkstücken gilt laut Unfallverhütungsvorschriften (z. B. DGUV in Deutschland): Hände weg von Handschuhen!

Was man stattdessen tun sollte:

  • Spänehaken verwenden: Niemals Späne mit der Hand (auch nicht mit Handschuh) entfernen.
  • Eng anliegende Kleidung: Auch Ärmel müssen eng anliegen, damit sie nicht erfasst werden.
  • Kein Schmuck: Ringe, Uhren und Armbänder ablegen.
  • Haarnetz: Lange Haare müssen zusammengebunden oder unter einer Mütze versteckt werden.

Gibt es Ausnahmen? Es gibt extrem seltene Spezialfälle, in denen sogenannte "Sollbruchstellen-Handschuhe" (die bei geringem Zug sofort reißen) eingesetzt werden. Diese sind jedoch im normalen Werkstattalltag kaum verbreitet und dürfen nur nach einer expliziten Gefährdungsbeurteilung und Freigabe durch die Sicherheitsfachkraft verwendet werden. Im Zweifelsfall gilt immer: Keine Handschuhe!