Warum führt das Tragen von Arbeitshandschuhen oft zu starkem Schwitzen der Hände?
Das starke Schwitzen in Arbeitshandschuhen ist ein weit verbreitetes Problem, das auf einer Kombination aus physikalischen und physiologischen Faktoren beruht. Hier sind die Hauptgründe:
1. Der Okklusionseffekt (Abschlusseffekt)
Dies ist der wichtigste Grund. Viele Arbeitshandschuhe (insbesondere solche aus Nitril, Latex oder mit PVC-Beschichtung) sind so konzipiert, dass sie wasser- und chemikaliendicht sind. Das bedeutet jedoch auch, dass sie luftundurchlässig sind.
- Kein Luftaustausch: Die Haut kann nicht "atmen".
- Feuchtigkeitsstau: Normalerweise verdunstet Schweiß auf der Haut und kühlt sie dadurch ab. Im Handschuh kann der Schweiß nirgendwohin; die Luftfeuchtigkeit im Inneren steigt innerhalb von Minuten auf fast 100 %.
2. Fehlende Verdunstungskälte
Schwitzen ist der Kühlmechanismus unseres Körpers. Die Kühlung entsteht jedoch erst durch die Verdunstung des Schweißes an der Luft. Da im Handschuh keine Verdunstung stattfinden kann, registriert der Körper, dass die Hand immer noch zu warm ist, und produziert als Reaktion noch mehr Schweiß. Es entsteht ein Teufelskreis.
3. Wärmeisolierung
Arbeitshandschuhe wirken wie eine Isolationsschicht. Durch die körperliche Arbeit wird die Durchblutung der Hände gefördert, wodurch sie Wärme abgeben wollen. Das Material des Handschuhs hält diese Eigenwärme jedoch fest, die Temperatur im Handschuh steigt an, was wiederum die Schweißdrüsen aktiviert.
4. Das Material
- Synthetik: Kunststoffe wie Nitril oder Vinyl nehmen selbst keine Feuchtigkeit auf. Der Schweiß steht also direkt als Flüssigkeitsfilm auf der Haut.
- Leder: Naturleder ist zwar etwas atmungsaktiver, aber oft so dick gegerbt oder behandelt, dass der Effekt minimal ist. Zudem wird Leder durch den Schweiß mit der Zeit hart und spröde.
Warum ist das problematisch?
Starkes Schwitzen im Handschuh ist nicht nur unangenehm, sondern hat auch medizinische Folgen:
- Aufquellen der Haut (Mazeration): Die Haut wird weißlich, weich und verliert ihre natürliche Barrierefunktion.
- Hautirritationen und Ekzeme: Schadstoffe und Bakterien können leichter in die aufgequollene Haut eindringen.
- Pilzinfektionen: Das feucht-warme Klima ist der ideale Nährboden für Pilze und Bakterien.
Was kann man dagegen tun?
- Baumwoll-Unterziehhandschuhe: Diese saugen den Schweiß auf und halten die Haut trockener.
- Atmungsaktive Modelle wählen: Wenn es der Schutzgrad erlaubt, Handschuhe mit Mikroschaum-Beschichtung oder nur teilbeschichtete Handschuhe (Handrücken frei) verwenden.
- Regelmäßige Wechsel: Die Handschuhe in den Pausen ausziehen, Hände abtrocknen und ggf. das Paar wechseln.
- Hautschutzpräparate: Es gibt spezielle Cremes (Gerbstoff-Präparate), die die Schweißbildung der Hände vorübergehend reduzieren können.