Was bedeuten die gängigen EN-Normen und Schutzsymbole auf Arbeitshandschuhen?
Arbeitshandschuhe sind in der EU streng genormt, um sicherzustellen, dass sie den spezifischen Gefahren am Arbeitsplatz standhalten. Die wichtigsten Informationen findest du meist direkt auf dem Handrücken des Handschuhs in Form von Piktogrammen (Symbolen) und Zahlenkombinationen.
Hier ist eine Übersicht der gängigsten EN-Normen und was sie bedeuten:
1. Die Basis-Norm: EN ISO 21420 (früher EN 420)
Dies ist die Grundnorm für fast alle Schutzhandschuhe. Sie prüft keine spezifischen Schutzleistungen gegen Gefahren, sondern allgemeine Anforderungen:
- Passform und Größe.
- Neutralität: Der pH-Wert muss hautneutral sein.
- Sicherheit: Das Material darf keine Schadstoffe abgeben (z. B. Chrom VI).
- Kennzeichnung: Herstellername, Größe und CE-Zeichen müssen vorhanden sein.
2. Mechanische Risiken: EN 388 (Das Hammer-Symbol)
Dies ist die am häufigsten anzutreffende Norm. Unter dem Symbol stehen meist vier Ziffern und ein bis zwei Buchstaben (z. B. 4131XP).
Die Zahlen/Buchstaben von links nach rechts:
- Abriebfestigkeit (0–4): Wie viele Zyklen hält der Handschuh bei Schmirgelpapier aus?
- Schnittfestigkeit (0–5): Der klassische "Coupe-Test" (Rundmesser).
- Weiterreißfestigkeit (0–4): Wie viel Kraft ist nötig, um einen Riss zu vergrößern?
- Stichfestigkeit (0–4): Schutz gegen durchstoßende spitze Gegenstände.
- Schnittfestigkeit nach ISO (A–F): Da der alte Test (Punkt 2) bei modernen Materialien (Glasfasern) ungenau ist, gibt dieser Buchstabe die Kraft in Newton an. F ist der höchste Schutz.
- Stoßschutz (P): Steht hier ein „P“, bietet der Handschuh einen geprüften Aufprallschutz (oft an den Knöcheln).
3. Chemische Risiken: EN ISO 374 (Der Erlenmeyerkolben)
Handschuhe gegen Chemikalien werden in drei Typen unterteilt:
- Typ A: Hält mindestens 6 Chemikalien für je 30 Minuten stand.
- Typ B: Hält mindestens 3 Chemikalien für je 30 Minuten stand.
- Typ C: Hält mindestens 1 Chemikalie für mindestens 10 Minuten stand.
Unter dem Symbol stehen Buchstaben (A–T), die für bestimmte Testchemikalien stehen (z. B. A = Methanol, K = Natriumhydroxid).
4. Thermische Risiken (Hitze): EN 407 (Die Flamme)
Hier werden sechs verschiedene Leistungen geprüft (Werte 0–4):
- Brennverhalten: Wie lange brennt das Material nach?
- Kontaktwärme: Schutz bei Berührung (z. B. Stufe 2 = 250°C für 15 Sek.).
- Konvektive Hitze: Schutz gegen durchdringende Hitze (Luft).
- Strahlungswärme: Schutz vor Infrarotstrahlung.
- Kleine Spritzer geschmolzenen Metalls.
- Große Mengen geschmolzenen Metalls.
5. Schutz gegen Kälte: EN 511 (Die Schneeflocke)
Wichtig für Arbeiten im Freien oder in Kühlhäusern. Es gibt drei Ziffern (0–4 bzw. 0–1):
- Konvektionskälte (0–4): Isolation gegen durchdringende Umgebungskälte.
- Kontaktkälte (0–4): Schutz bei direktem Kontakt mit kalten Objekten.
- Wasserdichtigkeit (0 oder 1): 0 = Wasser dringt nach 30 Min. durch; 1 = wasserdicht.
6. Weitere wichtige Symbole
- EN 12477 (Schweißerhandschuhe): Kombiniert Anforderungen aus EN 388 und EN 407.
- Typ A: Höherer Hitzeschutz (für grobe Schweißarbeiten).
- Typ B: Höhere Flexibilität (für WIG-Schweißen).
- EN 1149 (Antistatik): Verhindert elektrostatische Aufladung (wichtig in EX-Zonen oder Elektronikfertigung).
- Lebensmittelsymbol (Glas & Gabel): Der Handschuh ist für den Kontakt mit Lebensmitteln zugelassen.
- EN ISO 10819 (Vibrationsschutz): Schützt die Handflächen vor Vibrationen durch Maschinen (z. B. Presslufthammer).
Die drei CE-Kategorien (Wichtig für den Einkauf)
Zusätzlich zu den Normen gibt es Kategorien, die das Risiko beschreiben:
- Kategorie I (Geringe Risiken): Nur für Gartenarbeit oder Reinigungsarbeiten ohne aggressive Chemie.
- Kategorie II (Mittlere Risiken): Schutz gegen mechanische Verletzungen (Standard im Handwerk).
- Kategorie III (Hohe Risiken): Schutz vor bleibenden Schäden oder tödlichen Gefahren (Chemikalien, Strom, extreme Hitze). Diese Handschuhe müssen von einer Prüfstelle (Notified Body) zertifiziert sein.
Zusammenfassend gilt: Schau dir immer zuerst das Piktogramm an, um die Art der Gefahr zu identifizieren, und dann die Zahlen, um zu sehen, wie stark der Schutz ist (höhere Zahl = besserer Schutz).