Warum sind konservierungsmittelfreie künstliche Tränen oft empfehlenswerter?
Konservierungsmittelfreie künstliche Tränen werden von Augenärzten und Apothekern heute fast immer bevorzugt, besonders bei chronischen Beschwerden. Der Hauptgrund ist, dass die herkömmlichen Konservierungsstoffe, die die Tropfen in der Flasche keimfrei halten sollen, das Auge paradoxerweise langfristig schädigen können.
Hier sind die wichtigsten Gründe im Detail:
1. Schutz der Augenoberfläche (Zytotoxizität)
Der am häufigsten verwendete Konservierungsstoff ist Benzalkoniumchlorid. Dieser Stoff wirkt zytotoxisch, das heißt zellgiftig. Er greift nicht nur Bakterien an, sondern auch die lebenden Zellen der Hornhaut und Bindehaut. Bei regelmäßiger Anwendung kann dies zu Entzündungen und Mikroverletzungen auf der Augenoberfläche führen.
2. Störung des Tränenfilms
Konservierungsmittel wirken oft wie ein Tensid (ähnlich wie Seife). Sie können die empfindliche Fettschicht (Lipidschicht) des natürlichen Tränenfilms auflösen. Dadurch verdunstet die Tränenflüssigkeit noch schneller, und das Auge trocknet paradoxerweise weiter aus. Man gerät in einen Teufelskreis: Man tropft gegen die Trockenheit, aber die Tropfen zerstören den Schutzfilm weiter, was zu noch mehr Trockenheit führt.
3. Allergisches Potenzial und Reizungen
Viele Menschen entwickeln mit der Zeit eine Unverträglichkeit oder eine echte Allergie gegen Konservierungsstoffe. Die Symptome sind Brennen, Rötungen, Juckreiz oder ein Fremdkörpergefühl. Da Menschen mit trockenen Augen ohnehin eine gereizte Augenoberfläche haben, reagieren sie besonders empfindlich auf diese chemischen Zusatzstoffe.
4. Wichtig bei häufiger Anwendung
Die Faustregel lautet: Wer seine Augen öfter als 4-mal täglich tropfen muss, sollte zwingend auf konservierungsmittelfreie Produkte umsteigen. Bei seltener Anwendung kann das Auge die Giftstoffe meist noch kompensieren, bei häufiger Gabe reichern sie sich jedoch an und verursachen chronische Schäden.
5. Kontaktlinsenträger
Konservierungsstoffe können sich in weichen Kontaktlinsen anreichern. Dort verbleiben sie über Stunden in direktem Kontakt mit der Hornhaut und wirken wie ein „Depot“ für die reizenden Stoffe. Konservierungsmittelfreie Tropfen sind daher für Kontaktlinsenträger deutlich sicherer.
Wie bleiben diese Tropfen ohne Chemie keimfrei?
Da Konservierungsstoffe eigentlich dazu dienen, die Flasche nach dem Öffnen vor Bakterien zu schützen, mussten die Hersteller andere Lösungen finden:
- Ein-Dosis-Ophtiolen (EDO): Kleine Kunststoffampullen für den Einmalgebrauch. Man öffnet sie, tropft und wirft den Rest weg.
- Spezielle Mehrdosissysteme (z.B. COMOD-System oder ABAK-System): Diese Flaschen haben eine spezielle Ventiltechnik oder Silberbeschichtungen im Inneren, die verhindern, dass Luft oder Keime in die Flasche gelangen. Dadurch bleiben die Tropfen auch ohne Chemie oft bis zu 6 Monate nach Anbruch haltbar.
Fazit: Konservierungsmittelfreie Tränenersatzmittel sind zwar oft etwas teurer in der Anschaffung, aber sie sind wesentlich verträglicher und unterstützen die Heilung des Auges, anstatt die Barrierefunktion der Hornhaut zusätzlich zu schwächen.