Was genau sind künstliche Tränen?

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Künstliche Tränen sind Tränenersatzmittel, die dazu dienen, die Augenoberfläche feucht zu halten, wenn der natürliche Tränenfilm des Auges gestört ist. Sie sind eines der am häufigsten verwendeten Mittel in der Augenheilkunde, primär zur Behandlung des sogenannten „Trockenen Auges“ (Sicca-Syndrom).

Hier ist eine detaillierte Übersicht darüber, was sie sind, wie sie wirken und woraus sie bestehen:

1. Die Funktion: Was bewirken sie?

Ein gesunder Tränenfilm besteht aus drei Schichten: einer Schleimschicht (Muzin), einer wässrigen Schicht und einer Fettschicht (Lipid). Wenn eine dieser Schichten fehlt oder fehlerhaft zusammengesetzt ist, verdunstet die Tränenflüssigkeit zu schnell oder verteilt sich nicht richtig.

Künstliche Tränen übernehmen folgende Aufgaben:

  • Befeuchtung: Sie ersetzen die fehlende Flüssigkeit.
  • Schmierung: Sie verringern die Reibung zwischen Augenlid und Hornhaut beim Blinzeln.
  • Schutz: Sie bilden einen Schutzfilm, der die Hornhaut vor Reizungen und dem Austrocknen bewahrt.
  • Stabilisierung: Sie helfen, den natürlichen Tränenfilm wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

2. Inhaltsstoffe: Was ist drin?

Künstliche Tränen sind keine echte biologische Tränenflüssigkeit, sondern chemisch nachempfundene Lösungen. Die Hauptbestandteile sind:

  • Wasser und Salze (Elektrolyte): Um den Salzgehalt und den pH-Wert des Auges zu imitieren.
  • Filmbildner (Polymere): Diese sorgen dafür, dass die Flüssigkeit länger am Auge haftet. Häufig verwendete Stoffe sind:
    • Hyaluronsäure: Der „Goldstandard“. Sie bindet extrem viel Wasser und haftet sehr gut auf der Augenoberfläche.
    • Hypromellose (HPMC) oder Cellulose: Klassische Mittel für leichte Beschwerden.
    • Carbomere: Machen die Konsistenz gelartiger (längere Verweildauer).
  • Lipide (Öle): In speziellen Tropfen für Menschen, deren Fettschicht des Tränenfilms gestört ist (verhindert das Verdunsten).
  • Optional: Konservierungsmittel: Sie verhindern Keimbildung in der Flasche, können aber bei empfindlichen Augen oder Langzeitanwendung die Hornhaut reizen.

3. Verschiedene Darreichungsformen

Je nach Schwere der Trockenheit gibt es unterschiedliche Viskositäten (Zähflüssigkeiten):

  • Dünnflüssige Tropfen: Helfen sofort, wirken aber nur kurz. Gut für tagsüber, da sie die Sicht nicht beeinträchtigen.
  • Gele: Sind dickflüssiger und bleiben länger am Auge. Sie können die Sicht kurzzeitig leicht verschleiern.
  • Salben: Sehr zähflüssig, meist ohne Wasserbasis (oft mit Vaseline oder Wollwachs). Man verwendet sie meist nachts, da sie die Sicht stark beeinträchtigen, aber das Auge über viele Stunden schützen.

4. Wann braucht man künstliche Tränen?

Die Ursachen für den Einsatz sind vielfältig:

  • Bildschirmarbeit: Man blinzelt seltener („Office Eye Syndrome“).
  • Umweltfaktoren: Klimaanlagen, Heizungsluft, Wind oder Rauch.
  • Alter: Die Tränenproduktion lässt im Alter oft nach.
  • Kontaktlinsen: Diese können den Tränenfilm mechanisch stören.
  • Medikamente oder Krankheiten: (z. B. Rheuma, Diabetes oder nach Augen-Operationen wie LASIK).

5. Wichtiger Hinweis: Konservierungsmittel

Wenn Sie künstliche Tränen häufiger als 4-mal täglich anwenden, sollten Sie zu konservierungsmittelfreien Produkten greifen (oft erkennbar an Einmaldosen oder speziellen „COMOD“-Systemen). Konservierungsstoffe wie Benzalkoniumchlorid können bei häufiger Anwendung die Augenoberfläche schädigen und Allergien auslösen.

Fazit: Künstliche Tränen heilen meist nicht die Ursache der Augentrockenheit, sind aber ein sehr sicheres und effektives Mittel, um die Symptome (Brennen, Fremdkörpergefühl, Rötung) zu lindern und Folgeschäden an der Hornhaut zu vermeiden.