Welche verschiedenen Arten von künstlichen Tränen gibt es?

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Künstliche Tränen (Tränenersatzmittel) werden zur Behandlung von trockenen Augen (Sicca-Syndrom) eingesetzt. Da die Ursachen für trockene Augen unterschiedlich sein können, gibt es eine Vielzahl von Präparaten, die sich in ihrer Zusammensetzung, Konsistenz und Wirkungsweise unterscheiden.

Hier ist eine Übersicht der verschiedenen Arten:

1. Einteilung nach der Konsistenz (Viskosität)

Die Viskosität bestimmt, wie lange das Mittel im Auge bleibt und wie stark es das Sehvermögen kurzzeitig beeinflusst.

  • Dünnflüssige Augentropfen: Sie haben eine niedrige Viskosität, verteilen sich schnell und beeinträchtigen das Sehen kaum. Sie müssen jedoch häufiger angewendet werden. Ideal für leichte Beschwerden.
  • Viskose Tropfen / Gele: Diese sind dickflüssiger und bilden einen stabileren Schutzfilm auf der Augenoberfläche. Sie verweilen länger im Auge, können aber kurzzeitig die Sicht verschleiern.
  • Augensalben: Sie sind sehr fettreich und zähflüssig. Da sie die Sicht stark beeinträchtigen, werden sie meistens nachts vor dem Schlafengehen angewendet, um das Auge während der Nacht vor dem Austrocknen zu schützen.

2. Einteilung nach den Inhaltsstoffen (Wirkstoffe)

Die Wahl des Inhaltsstoffs hängt davon ab, welcher Teil des Tränenfilms ergänzt werden muss.

  • Hyaluronsäure: Der "Goldstandard". Sie kommt natürlich im Auge vor, bindet extrem viel Wasser und haftet gut auf der Augenoberfläche. Je höher die Konzentration, desto länger hält die Wirkung an.
  • Cellulose-Derivate (z.B. Hypromellose): Ein klassischer Wirkstoff, der die Tränenflüssigkeit verdickt. Er ist oft preisgünstiger, hält aber meist nicht so lange an wie Hyaluronsäure.
  • Carbomere: Werden meist in Gelen verwendet. Sie bilden einen feuchten Schutzfilm, der lange auf dem Auge haftet.
  • Povidon / Polyvinylalkohol (PVA): Diese Stoffe verbessern die Benetzung der Hornhaut, werden aber heute seltener als alleinige Wirkstoffe genutzt.

3. Einteilung nach der Wirkung auf die Tränenfilm-Schichten

Der natürliche Tränenfilm besteht aus einer Schleimschicht (Muzin), einer Wasserschicht und einer Fettschicht (Lipidschicht).

  • Wässrige Ersatzmittel: Sie füllen das Volumendefizit auf (wenn zu wenig Tränen produziert werden).
  • Lipidhaltige Ersatzmittel: Bei ca. 80 % der Patienten liegt eine Störung der Fettschicht vor (Meibom-Drüsen-Dysfunktion). Die Tränen verdunsten zu schnell. Diese Tropfen oder Sprays enthalten Öle (z.B. Rizinusöl, Sojalecithin), die den Tränenfilm stabilisieren und die Verdunstung stoppen.

4. Einteilung nach Konservierungsstoffen

Dies ist ein entscheidender Faktor für die Verträglichkeit:

  • Präparate mit Konservierungsstoffen (z.B. Benzalkoniumchlorid): Sie machen die Tropfen in der Flasche lange haltbar. Problem: Bei häufiger Anwendung können sie die Augenoberfläche schädigen und Allergien auslösen.
  • Konservierungsmittelfreie Präparate: Diese sind für empfindliche Augen und bei häufiger Anwendung (mehr als 4-mal täglich) unbedingt zu bevorzugen.
    • Ein-Dosis-Ophtiolen (EDO): Kleine Plastikampullen für den Einmalgebrauch.
    • COMOD-Systeme / ABAK-Systeme: Spezielle Mehrdosis-Flaschen mit Ventilsystemen, die ein Eindringen von Keimen verhindern, sodass auf Konservierung verzichtet werden kann.

5. Sonderformen

  • Augensprays: Diese werden auf die geschlossenen Lider gesprüht. Die enthaltenen Lipide gelangen beim Blinzeln über die Lidkante auf den Tränenfilm. Ideal für Menschen, die Probleme mit dem Eintropfen haben oder Make-up tragen.
  • Eigenserum-Augentropfen: In sehr schweren Fällen von trockenem Auge werden aus dem eigenen Blut des Patienten Augentropfen hergestellt.

Welches Mittel ist das richtige?

  • Leichtes Fremdkörpergefühl: Dünnflüssige Tropfen mit Hyaluronsäure.
  • Brennende, tränende Augen (besonders morgens): Lipidhaltige Tropfen oder Sprays (Verdunstungsschutz).
  • Starke Beschwerden / Nachts: Gele oder Salben.
  • Kontaktlinsenträger: Sollten fast immer zu konservierungsmittelfreien Tropfen greifen, da sich Konservierungsstoffe in der Linse anreichern können.

Wichtiger Hinweis: Wenn Sie unter chronisch trockenen Augen leiden, sollten Sie einen Augenarzt aufsuchen. Er kann feststellen, ob ein Wassermangel oder eine Störung der Fettschicht vorliegt und das passende Präparat empfehlen.

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