Können Inhaltsstoffe in künstlichen Tränen allergische Reaktionen am Auge auslösen?
Ja, Inhaltsstoffe in künstlichen Tränen können durchaus allergische Reaktionen oder Überempfindlichkeiten am Auge auslösen. Tatsächlich ist dies ein relativ häufiges Problem, besonders bei Menschen, die diese Tropfen chronisch (also über einen langen Zeitraum) anwenden.
Hier sind die Hauptursachen für solche Reaktionen:
1. Konservierungsmittel (Der häufigste Auslöser)
Die meisten allergischen oder toxischen Reaktionen werden nicht durch den Wirkstoff selbst, sondern durch die zugesetzten Konservierungsmittel verursacht. Diese sollen verhindern, dass sich Keime in der Flasche vermehren.
- Benzalkoniumchlorid: Dies ist das am häufigsten verwendete Konservierungsmittel. Es ist bekannt dafür, dass es bei längerer Anwendung die Hornhautoberfläche schädigen und Entzündungen sowie allergische Reaktionen hervorrufen kann.
- Andere Stoffe: Auch Substanzen wie Polyquad oder Purite können bei empfindlichen Personen Reaktionen auslösen, obwohl sie oft als „schonender“ vermarktet werden.
2. Hilfsstoffe und Puffer
Damit die Tropfen den richtigen pH-Wert haben und gut am Auge haften, werden verschiedene Hilfsstoffe zugesetzt:
- Phosphate: Diese werden oft als Puffer verwendet. Bei Patienten mit einer bereits geschädigten Hornhaut können Phosphate mit körpereigenem Kalzium reagieren und zu bleibenden Trübungen (Kalkablagerungen) auf der Hornhaut führen.
- Bindemittel/Filmbildner: Stoffe wie Carbomer, Povidon oder sogar die eigentlich sehr verträgliche Hyaluronsäure können in sehr seltenen Fällen allergische Reaktionen auslösen (oft bedingt durch Verunreinigungen oder die spezifische chemische Struktur).
3. Symptome einer allergischen Reaktion
Es ist oft schwer zu unterscheiden, ob das Auge trocken ist oder auf die Tropfen reagiert, da die Symptome ähnlich sind:
- Zunehmendes Brennen oder Stechen direkt nach dem Eintropfen.
- Rötung der Bindehaut.
- Juckreiz (ein starkes Indiz für eine Allergie).
- Geschwollene Augenlider.
- Fremdkörpergefühl, das nach der Anwendung schlimmer statt besser wird.
Was kann man tun?
Wenn Sie vermuten, dass Sie Ihre Augentropfen nicht vertragen, gibt es klare Alternativen:
- Konservierungsmittelfreie Produkte wählen: Dies ist der wichtigste Schritt. Diese Produkte erkennt man meist an:
- Einmaldosen (EDO / SDU): Kleine Plastikampullen für den Einmalgebrauch.
- Spezielle Pumpsysteme (z.B. COMOD-System): Diese Flaschen sind so konstruiert, dass keine Keime eindringen können, weshalb sie ohne Konservierungsmittel bis zu 6 Monate haltbar sind.
- Phosphatfreie Tropfen: Achten Sie auf den Hinweis „phosphatfrei“ auf der Packung, um das Risiko von Ablagerungen zu vermeiden (besonders wichtig bei chronisch trockenen Augen).
- Wirkstoff wechseln: Wenn Sie Hyaluronsäure nicht vertragen, könnten Tropfen auf Basis von Hypromellose oder Lipiden eine Alternative sein.
- Augenarzt aufsuchen: Ein Arzt kann feststellen, ob es sich um eine echte Allergie, eine toxische Reaktion auf Konservierungsmittel oder einfach um eine Verschlechterung des „Trockenen Auges“ handelt.
Zusammenfassend: Wenn Ihre Augen nach der Anwendung von künstlichen Tränen jucken, brennen oder röter werden, liegt der Verdacht nahe, dass Sie auf einen Inhaltsstoff (meist das Konservierungsmittel) reagieren. Der Wechsel auf ein konservierungsmittelfreies Präparat löst das Problem in den meisten Fällen.