Welche Risiken bergen Konservierungsstoffe in künstlichen Tränen bei langfristiger Anwendung?
Bei der langfristigen Anwendung von künstlichen Tränen sind Konservierungsstoffe ein zweischneidiges Schwert. Sie verhindern zwar, dass die Tropfen in der Flasche durch Bakterien oder Pilze verunreinigt werden, können aber bei häufiger Anwendung das Auge massiv schädigen.
Besonders kritisch wird es, wenn die Tropfen häufiger als 4- bis 6-mal täglich oder über viele Monate/Jahre hinweg angewendet werden.
Hier sind die zentralen Risiken im Detail:
1. Zerstörung des Tränenfilms
Der Tränenfilm besteht aus einer empfindlichen Lipidschicht (Fett), einer wässrigen Schicht und einer Schleimschicht (Muzin).
- Das Problem: Viele Konservierungsstoffe (insbesondere das weit verbreitete Benzalkoniumchlorid) wirken wie ein Reinigungsmittel (Tensid).
- Die Folge: Sie lösen die schützende Fettschicht des Tränenfilms auf. Dadurch verdunstet die Tränenflüssigkeit schneller, und das Auge trocknet paradoxerweise noch weiter aus („Teufelskreis“).
2. Schädigung der Hornhaut- und Bindehautoberfläche
Konservierungsstoffe sind darauf ausgelegt, lebende Zellen (Bakterien) abzutöten. Leider machen sie keinen Unterschied zwischen Bakterien und den menschlichen Zellen auf der Augenoberfläche.
- Zytotoxizität: Sie schädigen die Epithelzellen der Hornhaut.
- Die Folge: Es entstehen kleinste Defekte in der Hornhautoberfläche (Keratitis punctata). Das Auge wird anfälliger für Infektionen, die Hornhaut kann trüb werden, und die Wundheilung wird verzögert.
3. Chronische Entzündungen
Langfristige Anwendung konservierter Tropfen führt oft zu einer subklinischen (unbemerkten) Entzündung der Augenoberfläche.
- Die Folge: Rötungen, Brennen und Fremdkörpergefühl nehmen zu. Langfristig kann dies zu einer Vernarbung der Bindehaut führen.
4. Allergische Reaktionen
Manche Menschen entwickeln im Laufe der Zeit eine Kontaktallergie gegen bestimmte Konservierungsstoffe.
- Symptome: Juckreiz, Schwellungen der Augenlider und verstärkte Rötung unmittelbar nach dem Eintropfen.
5. Risiko bei Glaukom-Patienten (Grüner Star)
Dies ist eine besonders gefährdete Gruppe, da sie oft lebenslang mehrmals täglich drucksenkende Tropfen anwenden müssen, die oft konserviert sind.
- Komplikation: Die chronische Reizung durch Konservierungsstoffe kann den Erfolg späterer Augenoperationen (z. B. eine Sickerkissen-OP) gefährden, da das Gewebe aufgrund der ständigen Entzündung zur Vernarbung neigt.
Der „Übeltäter“: Benzalkoniumchlorid (BAC/BAK)
Dies ist der am häufigsten verwendete Konservierungsstoff. Er gilt in der Augenheilkunde als besonders problematisch für die Langzeitanwendung. Es gibt modernere „weiche“ Konservierungsstoffe (z. B. Purite oder OcuPure), die bei Kontakt mit dem Licht oder der Tränenflüssigkeit in harmlose Bestandteile zerfallen, aber auch diese sind nicht völlig risikofrei.
Empfehlung: Was sollte man tun?
Wenn Sie chronisch unter trockenen Augen leiden oder mehr als 4-mal täglich tropfen müssen:
- Konservierungsmittelfreie Produkte wählen: Diese erkennen Sie oft an Bezeichnungen wie „free“, „EDO“ (Ein-Dosis-Ophtiolen) oder speziellen Mehrdosis-Systemen wie dem COMOD-System oder dem ABA-System. Diese Flaschen haben spezielle Ventile und Filter, die den Inhalt auch ohne Chemie steril halten.
- Einmal-Ophtiolen: Kleine Plastikampullen für den Einmalgebrauch enthalten prinzipiell keine Konservierungsstoffe.
- Arztbesuch: Bei chronischen Beschwerden sollte ein Augenarzt klären, ob die Tränenersatzmittel die Ursache der Reizung sind oder das Problem nur verschlimmern.
Fazit: Bei gelegentlicher Nutzung sind konservierte Tropfen meist unbedenklich. Für die Dauertherapie sind sie jedoch nicht geeignet und sollten durch konservierungsmittelfreie Alternativen ersetzt werden.