Welche Rolle spielt Hyaluronsäure in künstlichen Tränen?

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Hyaluronsäure (HA) gilt heute als der „Goldstandard“ in der Behandlung des trockenen Auges (Sicca-Syndrom). In künstlichen Tränen übernimmt sie mehrere entscheidende Funktionen, die über eine reine Befeuchtung weit hinausgehen.

Hier sind die wichtigsten Rollen von Hyaluronsäure im Detail:

1. Enormes Wasserbindungsvermögen

Hyaluronsäure ist ein natürliches Polysaccharid (Mehrfachzucker), das auch im menschlichen Körper (z. B. im Glaskörper des Auges oder in Gelenken) vorkommt. Sie kann das Tausendfache ihres eigenen Gewichts an Wasser binden. In Augentropfen sorgt sie dafür, dass die Feuchtigkeit lange auf der Augenoberfläche gehalten wird.

2. Viskoelastizität (Das „intelligente“ Verhalten)

Dies ist die wichtigste physikalische Eigenschaft der Hyaluronsäure in Augentropfen:

  • Beim Lidschlag: Wenn Sie blinzeln, wirken Scherkräfte auf die Flüssigkeit. Die Hyaluronsäure verändert ihre Struktur, wird dünnflüssiger und gleitfähiger. Dadurch gleitet das Lid reibungsfrei über das Auge.
  • Zwischen den Lidschlägen: Sobald das Auge offen ist, wird die Lösung wieder zähflüssiger (viskoser). Sie bildet einen stabilen, lang anhaltenden Schutzfilm, der nicht so schnell abfließt oder verdunstet.

3. Hohe Haftfähigkeit (Mucoadhäsion)

Hyaluronsäure haftet sehr gut an den Muzinen (Schleimstoffen) der Augenoberfläche. Dadurch verbleibt sie deutlich länger auf der Horn- und Bindehaut als einfache Kochsalzlösungen. Das reduziert die Häufigkeit, mit der man Tropfen nachdosieren muss.

4. Förderung der Wundheilung und Zellschutz

Trockene Augen führen oft zu mikroskopisch kleinen Verletzungen auf der Hornhautoberfläche. Hyaluronsäure:

  • Unterstützt die Migration und Vermehrung von Epithelzellen, was die Heilung dieser Mikroläsionen beschleunigt.
  • Bildet ein schützendes Depot, das die Zellen vor weiterer mechanischer Reizung und Austrocknung bewahrt.

5. Sehr gute Verträglichkeit

Da Hyaluronsäure eine körpereigene Substanz ist, ist sie extrem biokompatibel. Sie verursacht in der Regel keine allergischen Reaktionen oder Reizungen, was besonders wichtig für die Langzeitanwendung ist.

Zusammenfassung der Vorteile:

  • Lang anhaltende Linderung: Man muss seltener tropfen.
  • Keine Sichtbeeinträchtigung: Trotz der hohen Befeuchtung verursacht sie (in moderaten Konzentrationen) meist kein dauerhaftes Verschwommensehen.
  • Stabilisierung des Tränenfilms: Sie ergänzt die natürliche Tränenflüssigkeit ideal.

Ein wichtiger Hinweis zur Konzentration: In Apotheken findet man Präparate mit unterschiedlichen Konzentrationen (z. B. 0,1 % bis 0,3 % oder höher).

  • Niedrige Konzentrationen eignen sich für leichte Beschwerden.
  • Höhere Konzentrationen sind zähflüssiger und werden bei schweren Formen des trockenen Auges oder zur Anwendung über Nacht empfohlen.