Warum tränen die Augen beim Schneiden von Zwiebeln?
Das Tränen der Augen beim Zwiebelschneiden ist das Ergebnis einer ausgeklügelten chemischen Verteidigungsstrategie der Pflanze. Hier ist der Prozess Schritt für Schritt erklärt:
1. Die Verteidigungswaffe
Zwiebeln speichern Schwefel aus dem Boden in Form von Aminosäuren. Solange die Zwiebel unversehrt ist, sind zwei wichtige Inhaltsstoffe in verschiedenen Bereichen der Pflanzenzelle strikt voneinander getrennt:
- Ein Enzym namens Alliinase.
- Eine schwefelhaltige Aminosäure (Isoalliin).
2. Die chemische Reaktion
Sobald du mit dem Messer die Zellen der Zwiebel zerstörst, vermischen sich diese beiden Stoffe. Das Enzym spaltet die Aminosäure auf, wodurch zunächst Sulfensäuren entstehen. Ein weiteres Enzym (die Lachrymal-Factor-Synthase) wandelt diese dann in ein flüchtiges Gas um: das sogenannte Syn-Propanthial-S-Oxid.
3. Kontakt mit dem Auge
Dieses Gas ist sehr flüchtig und steigt nach oben. Sobald es auf den dünnen Feuchtigkeitsfilm (die Tränenflüssigkeit) deiner Augenoberfläche trifft, kommt es zu einer erneuten Reaktion: Das Gas verbindet sich mit dem Wasser der Tränenflüssigkeit und bildet in winzigen Mengen Schwefelsäure.
4. Die Schutzreaktion
Obwohl die Menge der entstehenden Säure extrem gering ist, ist sie genug, um die Nervenenden der Hornhaut zu reizen. Das Gehirn registriert den Schmerz und sendet sofort einen Befehl an die Tränendrüsen: „Spülen!“ Es werden Tränen produziert, um den Reizstoff so schnell wie möglich aus dem Auge zu waschen.
Tipps, um das Tränen zu verhindern:
- Ein sehr scharfes Messer: Ein scharfes Messer schneidet die Zellen glatt durch, während ein stumpfes Messer sie eher zerquetscht. Je weniger Zellen zerstört werden, desto weniger Gas wird frei.
- Zwiebeln kühlen: Wenn die Zwiebel vor dem Schneiden im Kühlschrank liegt, ist die chemische Reaktion der Enzyme langsamer und das Gas weniger flüchtig.
- Unter fließendem Wasser schneiden: Das Wasser bindet das Gas, bevor es die Augen erreicht (allerdings etwas unpraktisch beim Kochen).
- Das Schneidebrett befeuchten: Auch Wasser auf dem Brett kann einen Teil des Gases abfangen.
- Durch den Mund atmen: Manche Menschen finden es hilfreich, durch den Mund zu atmen oder dabei Kaugummi zu kauen, da dies den Luftstrom um das Gesicht verändert.
- Lüftung: Das Einschalten der Dunstabzugshaube oder das Schneiden am offenen Fenster zieht das Gas weg.