Warum lassen sich Klebereste von Etiketten auf der Außenwand von Gastronorm-Behältern oft nur schwer rückstandsfrei entfernen?
Das Problem der hartnäckigen Klebereste auf Gastronorm-Behältern (GN-Behältern) ist in der Gastronomie weit verbreitet und hat physikalische sowie chemische Ursachen. Es liegt oft an einer ungünstigen Kombination aus Materialeigenschaften, Reinigungsprozessen und der Art des verwendeten Klebers.
Hier sind die Hauptgründe, warum sich diese Rückstände oft so schwer entfernen lassen:
1. Thermische Fixierung („Einbrennen“)
GN-Behälter sind extremen Temperaturen ausgesetzt. In der Spülmaschine werden sie bei 60–80 °C gereinigt, im Kombidämpfer oder Wasserbad oft noch heißer erhitzt.
- Der Effekt: Durch die Hitze verändert sich die chemische Struktur des Klebers. Weichmacher verflüchtigen sich, und die Klebemasse härtet aus oder verbindet sich (vernetzt) noch stärker mit der Oberfläche. Man spricht umgangssprachlich davon, dass der Kleber „einbrennt“.
2. Die Oberflächenbeschaffenheit (Edelstahl)
Auch wenn Edelstahl glatt aussieht, weist er unter dem Mikroskop eine raue Struktur mit feinen Rillen und Poren auf (Schleifbild).
- Der Effekt: Der Kleber fließt in diese mikroskopisch kleinen Vertiefungen. Wenn man das Etikett abzieht, reißt oft nur die obere Schicht ab, während die Klebemasse in den „Tälern“ der Metalloberfläche verankert bleibt.
3. Aggressive Reinigungsmittel und Chemie
In gewerblichen Spülmaschinen werden hochalkalische Reiniger verwendet.
- Der Effekt: Diese Reiniger lösen zwar oft das Papier des Etiketts auf, greifen aber die polymere Struktur des Klebers nicht vollständig an. Stattdessen wird der Kleber oft nur „angelöst“, verliert seine Haftung zum Papier, bildet aber einen schmierigen, zähen Film auf dem Metall, der wasserabweisend wirkt und sich durch bloßes Abspülen nicht mehr entfernen lässt.
4. Ungeeignete Etiketten (Papier vs. Kunststoff)
Oft werden im stressigen Küchenalltag einfache Papieretiketten (z. B. aus Druckern für Preisauszeichnung) verwendet, die nicht für die Gastronomie gedacht sind.
- Der Effekt: Papier weicht auf und reißt beim Abziehen in Schichten. Die Klebeschicht bleibt schutzlos auf dem Behälter zurück. Spezielle Gastro-Etiketten bestehen oft aus Kunststoff oder sind wasserlöslich, sodass sie sich im Ganzen lösen.
5. Alterung und UV-Licht
Wenn Behälter gestapelt oder gelagert werden, altert der Kleber.
- Der Effekt: Sauerstoff und Licht lassen den Kleber oxidieren. Er wird entweder spröde (und lässt sich nur noch mühsam abkratzen) oder extrem zähflüssig und klebrig (Migration von Klebstoffkomponenten).
Wie lässt sich das Problem lösen?
Um die Rückstände zu vermeiden oder effizient zu entfernen, gibt es drei Ansätze:
- Prävention (Die beste Methode): Verwendung von speziellen wasserlöslichen Etiketten. Diese lösen sich in der Spülmaschine innerhalb von Sekunden rückstandsfrei auf, da sowohl das Trägermaterial als auch der Kleber wasserlöslich konzipiert sind.
- Chemisches Lösen: Da die meisten Etikettenkleber auf Acrylat- oder Kautschukbasis beruhen, helfen fettlösenden Mittel am besten. Orangenöl-Reiniger oder spezielle Etikettenlöser auf Lösungsmittelbasis brechen die Molekülketten des Klebers auf.
- Wärme-Trick: Wenn ein Etikett trocken abgezogen werden soll, hilft es oft, es vorher mit einem Föhn oder kurzem heißem Wasser zu erwärmen, um den Kleber kurzzeitig wieder weich und fließfähig zu machen, damit er sich vom Metall löst, bevor er reißt.
Zusammenfassend: Das Problem ist meist eine Kombination aus hitzeinduzierter Aushärtung und der mikroskopischen Verankerung des Klebers in der Edelstahloberfläche, verstärkt durch ungeeignete (nicht-wasserlösliche) Standardetiketten.