Warum entstehen bei Gastronorm-Behältern aus Polycarbonat häufig Spannungsrisse nach der Reinigung im Geschirrspüler?

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Das Entstehen von Spannungsrissen (auch Crazing genannt) bei Gastronorm-Behältern aus Polycarbonat (PC) nach der Reinigung im Geschirrspüler ist ein bekanntes Problem. Es handelt sich dabei um ein Zusammenspiel aus physikalischen und chemischen Faktoren.

Hier sind die Hauptgründe für dieses Phänomen:

1. Chemische Einflüsse (Spannungsrisskorrosion)

Dies ist die häufigste Ursache. Polycarbonat ist ein amorpher Kunststoff, der empfindlich auf bestimmte Chemikalien reagiert.

  • Aggressive Reiniger: Viele gewerbliche Spülmaschinendeitmittel sind hochalkalisch (hoher pH-Wert). Diese Laugen greifen die Polymerketten an der Oberfläche des Kunststoffs an.
  • Klarspüler: Viele herkömmliche Klarspüler enthalten Tenside und Lösungsmittel, die tief in die Mikrostruktur des Polycarbonats eindringen können. Wenn diese Chemikalien auf den Kunststoff einwirken, während dieser unter Spannung steht, lösen sich die Molekülketten voneinander, und es entstehen Risse.

2. Eingeschlossene Eigenspannungen (Herstellung)

GN-Behälter werden im Spritzgussverfahren hergestellt. Dabei wird flüssiger Kunststoff unter hohem Druck in eine Form gepresst und dann abgekühlt.

  • Besonders an den Ecken, Kanten und an den Stellen, an denen das Material in die Form eingeflossen ist (Angusspunkt), entstehen „eingefrorene“ Eigenspannungen.
  • Der Kunststoff „will“ sich eigentlich entspannen, kann es aber im festen Zustand nicht.

3. Thermische Belastung (Hitze und Temperaturwechsel)

  • Hohe Temperaturen: In gewerblichen Spülmaschinen wird oft bei 60 °C gewaschen und bei über 80 °C klargespült. Diese Hitze erhöht die Beweglichkeit der Polymerketten und beschleunigt chemische Diffusionsprozesse.
  • Temperaturschocks: Der schnelle Wechsel von heißem Spülwasser zu kaltem Nachspülwasser (oder das Herausnehmen in die kühlere Küchenluft) führt zu mechanischen Spannungen durch Ausdehnung und Zusammenziehung.

4. Mechanische Beanspruchung im Alltag

Im stressigen Gastronomie-Alltag werden die Behälter gestapelt, fallen gelassen oder unsanft bewegt. Jede äußere Krafteinwirkung addiert sich zu den bereits vorhandenen inneren Spannungen. Wenn dann im Geschirrspüler die chemische Einwirkung hinzukommt, reicht oft ein minimaler Anstoß aus, um den Riss auszulösen.


Wie lässt sich das vermeiden?

  1. Spezielle Reinigungsmittel verwenden: Nutzen Sie Reiniger und Klarspüler, die explizit als „kunststofftauglich“ oder für Polycarbonat geeignet gekennzeichnet sind. Diese sind meist weniger alkalisch oder enthalten spezielle Inhibitoren.
  2. Dosierung prüfen: Eine Überdosierung von Reiniger oder Klarspüler ist eine der Hauptursachen für schnelle Rissbildung.
  3. Alternative Materialien:
    • Tritan (Copolyester): Viele Hersteller bieten mittlerweile GN-Behälter aus Tritan an. Dieses Material ist BPA-frei und deutlich resistenter gegen Spannungsrisskorrosion als herkömmliches Polycarbonat.
    • Polypropylen (PP): Günstiger und chemisch sehr beständig, aber nicht transparent (nur milchig) und weniger formstabil bei hohen Temperaturen.
    • Edelstahl: Die klassische, unzerstörbare Variante, wenn Transparenz nicht zwingend erforderlich ist.
  4. Gründliches Abspülen: Sicherstellen, dass keine Reinigerrückstände auf den Behältern verbleiben, wenn diese gelagert werden.

Fazit: Die Risse entstehen meistens nicht durch die Hitze allein, sondern weil der Klarspüler oder Reiniger die Struktur schwächt, während die Hitze und die Fertigungsspannungen den Prozess vollenden.

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