Warum lässt sich ein Gas-Sturmfeuerzeug bei extrem kalten Temperaturen schwer zünden?
Dass ein Gas-Sturmfeuerzeug (meist mit Jet-Flamme) bei extremer Kälte den Dienst versagt, liegt primär an der Physik des Brennstoffs und dem technischen Aufbau des Feuerzeugs.
Hier sind die Hauptgründe:
1. Der Siedepunkt von Butan
Die meisten Feuerzeuge verwenden Butan. Butan hat einen Siedepunkt von etwa -0,5 °C.
- Das Problem: Damit Gas aus dem Tank strömen kann, muss die Flüssigkeit im Inneren verdampfen und einen gewissen Druck aufbauen. Wenn die Umgebungstemperatur (und damit das Feuerzeug) unter oder nahe den Gefrierpunkt fällt, hört das Butan auf zu verdampfen. Es bleibt flüssig im Tank, und es tritt beim Drücken des Zünders schlichtweg kein Gas aus.
- Isobutan: Hochwertige Gasmischungen enthalten oft einen Anteil Isobutan, das einen niedrigeren Siedepunkt (ca. -12 °C) hat, aber auch hier ist bei extremer Kälte schnell Schluss.
2. Sinkender Dampfdruck
Schon bevor der Siedepunkt erreicht ist, sinkt mit fallender Temperatur der Dampfdruck im Tank rapide ab.
- Das Problem: Ein Sturmfeuerzeug (Jet-Lighter) funktioniert nach dem Venturi-Prinzip: Gas wird mit hohem Druck durch eine winzige Düse gepresst, um Luft mitzureißen und eine kontrollierte, heiße blaue Flamme zu erzeugen.
- Die Folge: Ist der Druck im Tank zu niedrig, reicht die Strömungsgeschwindigkeit nicht aus, um das richtige Gas-Luft-Gemisch zu erzeugen. Die Flamme „spuckt“ nur kurz, flackert schwach oder geht gar nicht erst an.
3. Dichtungen und Mechanik
Extreme Kälte beeinflusst auch die Materialien des Feuerzeugs:
- O-Ringe: Die Gummidichtungen im Inneren können bei Kälte hart und spröde werden. Dadurch schließen sie nicht mehr perfekt, oder das Ventil lässt sich nicht mehr sauber öffnen/schließen.
- Piezo-Zündung: Bei sehr niedrigen Temperaturen kann die Funkenbildung erschwert sein, da die mechanische Spannung im Material der Piezo-Keramik nachlässt oder die Luftfeuchtigkeit am kalten Metall kondensiert und den Funken ableitet.
4. Die Dichte der Luft
Kalte Luft ist dichter als warme Luft. Ein Jet-Feuerzeug ist auf ein ganz bestimmtes Mischverhältnis von Gas und Sauerstoff kalibriert. Wenn das Gas aufgrund des niedrigen Drucks zu langsam ausströmt, gleichzeitig aber die einströmende kalte Luft sehr dicht (sauerstoffreich) ist, wird das Gemisch zu "mager" – es ist zu viel Luft und zu wenig brennbares Gas vorhanden.
Tipps für den Winter:
- Körpernähe: Trage das Feuerzeug immer in einer Innentasche direkt am Körper (z. B. in der Hosentasche oder nah an der Brust). Die Körperwärme hält das Gas über dem Siedepunkt.
- Aufwärmen: Wenn es nicht zündet, umschließe es für 2-3 Minuten fest mit den warmen Händen.
- Winter-Gas: Es gibt spezielles "Outdoor-Gas" oder Gasmischungen mit einem höheren Anteil an Propan (Siedepunkt ca. -42 °C). Da Propan jedoch einen viel höheren Druck entwickelt, sind Standard-Taschenfeuerzeuge meist nicht für reines Propan ausgelegt (Explosionsgefahr).
- Alternative: Bei extremer, dauerhafter Kälte sind klassische Benzinfeuerzeuge (wie Zippos) zuverlässiger, da Benzin auch bei niedrigen Temperaturen leichter flüchtige Gase abgibt als Butan. Auch elektrische Lichtbogen-Feuerzeuge (Plasma-Lighter) funktionieren unabhängig vom Luftdruck und der Gastemperatur.