Warum setzt der Tintenfluss bei niedrigen Temperaturen häufig aus?
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Dass der Tintenfluss bei Kälte stockt oder ganz aussetzt, liegt an einer Kombination aus physikalischen und chemischen Faktoren. Hier sind die Hauptgründe:
1. Erhöhte Viskosität (Zähflüssigkeit)
Dies ist der wichtigste Faktor. Tinte besteht zum Großteil aus Wasser oder Lösungsmitteln, versetzt mit Farbstoffen und Additiven.
- Wie bei Honig: Ähnlich wie Honig im Kühlschrank wird auch Tinte zäher, wenn die Temperatur sinkt. Die Moleküle bewegen sich langsamer und die innere Reibung der Flüssigkeit nimmt zu.
- Die Folge: Die Tinte fließt nicht mehr schnell genug durch die extrem feinen Kapillaren des Tintenleiters zur Feder oder Kugel des Stifts. Der Nachschub reißt ab.
2. Veränderung der Oberflächenspannung
Die Kapillarwirkung, die dafür sorgt, dass Tinte entgegen der Schwerkraft zur Spitze fließt, hängt stark von der Oberflächenspannung ab.
- Bei niedrigen Temperaturen verändert sich diese Spannung. Das führt dazu, dass die Tinte weniger gut an den Wänden der feinen Kanäle „haftet“ oder zu stark zusammenhält, anstatt nach vorne zu fließen.
3. Materialzusammenziehung (Kontraktion)
Ein Schreibgerät besteht aus verschiedenen Materialien (meist Kunststoff und Metall).
- Unterschiedliche Ausdehnung: Diese Materialien ziehen sich bei Kälte unterschiedlich stark zusammen. Dadurch können sich winzige Spaltmaße im Tintenleiter oder zwischen Feder und Tintenleiter verändern.
- Schon Bruchteile von Millimetern können ausreichen, um den empfindlichen Luft-Tinten-Austausch zu stören, der für einen konstanten Fluss notwendig ist.
4. Löslichkeit der Farbstoffe
Tinte ist oft eine gesättigte Lösung.
- Ausfällung: Bei Kälte sinkt die Löslichkeit von Stoffen in einer Flüssigkeit. Es können sich mikroskopisch kleine Kristalle oder Klumpen bilden (besonders bei Pigmenttinten).
- Diese winzigen Partikel verstopfen die extrem engen Kanäle des Schreibgeräts.
5. Besonderheit bei Kugelschreibern: Das Fett
Bei Kugelschreibern ist die Tinte keine dünne Flüssigkeit, sondern eine Paste auf Ölbasis.
- Diese Paste ist ohnehin schon sehr zäh. Bei Kälte wird sie fast fest.
- Zudem muss sich die kleine Kugel in der Spitze drehen, um die Tinte aufs Papier zu übertragen. Bei Kälte wird der Schmierfilm der Tinte so fest, dass die Kugel blockiert oder über das Papier rutscht, ohne sich zu drehen.
Was hilft?
- Körpernähe: Den Stift in der Innentasche der Jacke tragen statt im Rucksack.
- Aufwärmen: Den Stift für ein paar Minuten in der Hand umschließen oder zwischen den Handflächen reiben.
- Druck: Bei Kugelschreibern helfen spezielle „Gasdruckminen“ (wie beim Fisher Space Pen), die die Tinte aktiv mit Druck nach draußen pressen, unabhängig von Viskosität und Schwerkraft.