Warum können Liebesknochen bei einer zu langen Tragedauer zu Muskelkater oder Verkrampfungen im Beckenboden führen?
Das Phänomen, dass Liebesknochen (auch Beckenbodentrainingskugeln genannt) bei zu langer Tragedauer zu Muskelkater oder Verkrampfungen führen, lässt sich am besten mit einem Vergleich aus dem Kraftsport erklären.
Hier sind die physiologischen Gründe im Detail:
1. Unwillkürliche Dauerkontraktion (Dauerspannung)
Liebesknochen funktionieren nach dem Prinzip der Bio-Feedback-Reaktion. Sobald die Kugeln eingeführt sind, rutschen sie durch die Schwerkraft und die Bewegung im Alltag leicht nach unten. Um zu verhindern, dass die Kugeln herausgleiten, reagiert der Beckenboden mit einem Reflex: Er zieht sich unwillkürlich zusammen.
Wenn man die Kugeln nun über mehrere Stunden trägt, wird der Muskel zu einer Dauerkontraktion gezwungen. Das ist vergleichbar damit, als würde man versuchen, einen gefüllten Maßkrug mit ausgestrecktem Arm über Stunden zu halten. Irgendwann ermüdet die Muskulatur, kann sich aber nicht entspannen, solange der Reiz (die Kugel) vorhanden ist.
2. Überlastung der Muskelfasern (Muskelkater)
Wie jeder andere Muskel im Körper besteht auch der Beckenboden aus Muskelfasern, die bei Überbeanspruchung winzige Risse bekommen können. Diese Mikrotraumata führen zur typischen Entzündungsreaktion, die wir als Muskelkater wahrnehmen. Da der Beckenboden eine eher kleinteilige Muskelgruppe ist, reagiert er empfindlich auf übermäßig lange Trainingseinheiten.
3. Durchblutungsstörungen und Stoffwechselnebenprodukte
Bei einer permanenten Anspannung wird das Gewebe stark komprimiert. Dies kann die lokale Blutzirkulation einschränken. Muskeln benötigen jedoch Sauerstoff und den Abtransport von Stoffwechselendprodukten (wie Laktat). Geschieht dies nicht ausreichend, "übersäuert" der Muskel, was zu schmerzhaften Verkrampfungen (Hypertonus) führen kann.
4. Verlust der Entspannungsfähigkeit
Ein gesunder Beckenboden muss nicht nur stark sein, sondern auch loslassen können (z. B. beim Toilettengang oder beim Sex). Wenn die Kugeln zu lange getragen werden, "verlernt" der Muskel die Entspannungsphase. Er verharrt in einem dauerhaft angespannten Zustand. Diese chronische Verspannung kann paradoxerweise dazu führen, dass der Beckenboden schwächer wird oder Schmerzen im Unterleib und Rücken verursacht.
Empfehlungen für das Training:
Um diese negativen Effekte zu vermeiden, sollte man Liebesknochen wie ein Fitnessgerät betrachten, nicht wie ein Accessoire:
- Kurze Intervalle: Zu Beginn reichen oft 10 bis 15 Minuten Tragezeit aus.
- Steigerung: Die Dauer sollte nur langsam gesteigert werden, maximal auf 30 bis 60 Minuten (je nach Gewicht und Trainingsstand).
- Bewegung ist wichtig: Die Kugeln bringen nur etwas, wenn man sich bewegt (Gehen, Treppensteigen), da nur dann der Haltereflex ausgelöst wird. Im Liegen oder Sitzen ist der Effekt gering, die Belastung durch das Gewicht aber dennoch vorhanden.
- Regeneration: Der Muskel braucht mindestens 24 Stunden Pause zwischen intensiven Trainingseinheiten, um sich zu regenerieren und zu wachsen.
Fazit: Mehr hilft hier nicht mehr. Ein "Dauertragen" über den ganzen Tag ist medizinisch nicht sinnvoll und führt eher zu einer schmerzhaften Überlastung als zu einer Kräftigung.