Warum ist die Wiederverwendung von Versandkartons durch Klebereste oft erschwert?
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Die Wiederverwendung von Versandkartons ist ökologisch sinnvoll, wird aber oft durch Rückstände von Klebebändern und Etiketten erschwert. Das hat physikalische, logistische und ästhetische Gründe.
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Verminderte Haftung (Adhäsion)
Das größte technische Problem ist, dass neues Klebeband auf alten Kleberesten oder Resten von Kunststoff-Folien (von altem Tape) oft nicht gut hält.
- Silikonisierung: Viele Paketklebebänder haben eine wasserabweisende oder silikonisierte Oberseite, damit sie sich leicht von der Rolle abrollen lassen. Wenn du neues Klebeband über Reste des alten klebst, haftet der Kleber nicht auf dem Untergrund, und das Paket kann während des Transports aufspringen.
- Kleber-Unverträglichkeit: Unterschiedliche Klebstoffarten (z. B. Acrylat, Hotmelt oder Naturkautschuk) vertragen sich chemisch oft nicht gut miteinander, was die Klebkraft reduziert.
2. Beschädigung der Kartonoberfläche (Faserriss)
Beim Versuch, altes Klebeband zu entfernen, passiert oft Folgendes:
- Die oberste Deckschicht des Kartons (der sogenannte Kraftliner oder Testliner) wird mit abgerissen.
- Dadurch wird die Papierstruktur zerstört und lose Fasern liegen offen. Neues Klebeband haftet dann nur an diesen losen Fasern. Wenn Zug auf das Band kommt, lösen sich die Fasern vom Karton und das Paket geht auf.
3. Logistische Störungen (Barcodes)
Dies ist ein kritisches Problem für die Versanddienstleister (DHL, Hermes, UPS etc.):
- Fehlsortierung: Wenn alte Versandetiketten oder Barcode-Reste auf dem Karton verbleiben, können die Laserscanner in den automatisierten Sortierzentren verwirrt werden. Das Paket wird dann entweder fehlgeleitet oder muss manuell nachbearbeitet werden, was zu Verzögerungen führt.
- Klebrige Oberflächen: Klebereste, die offen liegen, können an den Sortieranlagen oder an anderen Paketen hängen bleiben. Im schlimmsten Fall stoppt ein klebriges Paket das gesamte Förderband.
4. Verschmutzung und Hygiene
Klebereste sind oft „ewig klebrig“ (haftaktiv).
- Schmutzmagnet: An den Resten bleiben Staub, Haare, Abrieb von Förderbändern und anderer Schmutz hängen. Das sieht nicht nur unschön aus, sondern kann auch dazu führen, dass das Paket unangenehm anzufassen ist.
5. Ästhetik und Professionalität
- Kundenakzeptanz: Im gewerblichen Bereich vermeiden Händler die Wiederverwendung stark beklebter Kartons, weil es "unprofessionell" oder "gebraucht" wirkt. Viele Kunden assoziieren einen sauberen Karton mit Neuware und Sorgfalt.
Tipps für eine bessere Wiederverwendung:
- Vorsichtiges Abziehen: Klebeband langsam und in einem flachen Winkel abziehen. Wärme (z. B. durch einen Föhn) kann den Kleber lösen, ohne den Karton zu zerreißen.
- Überkleben mit Packpapier: Wenn der Karton stabil, aber unansehnlich ist, kann man ihn komplett in Packpapier einschlagen (wobei darauf zu achten ist, dass das Papier fest am Karton anliegt, damit es in Sortieranlagen nicht reißt).
- Nassklebeband verwenden: Dieses Band besteht aus Papier mit einem leimbasierten Kleber. Es verbindet sich so fest mit dem Karton, dass es beim Recycling einfach mit dem Altpapier aufgelöst werden kann.
- Etiketten-Ex oder Reinigungsbenzin: Bei stabilen Oberflächen helfen diese Mittel, Klebereste zu entfernen – bei Karton ist jedoch Vorsicht geboten, da die Flüssigkeit ins Material einzieht.
- Alte Barcodes schwärzen: Wenn sich Etiketten nicht entfernen lassen, sollten sie unbedingt mit einem dicken, schwarzen Permanentmarker unleserlich gemacht werden.