Warum kann es bei der Wiederverwendung alter Wago-Klemmen zu einer verminderten Klemmkraft kommen?

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Die Wiederverwendung von Wago-Klemmen (insbesondere der Federkraftklemmen) ist unter Elektrikern ein häufig diskutiertes Thema. Während moderne Hebel-Wagos (wie die Serie 221) explizit für das mehrmalige Lösen und Verbinden ausgelegt sind, kann es dennoch zu einer verminderten Klemmkraft kommen.

Hier sind die Hauptgründe für eine nachlassende Klemmkraft bei alten oder wiederverwendeten Klemmen:

1. Materialermüdung und plastische Verformung

Jede Feder hat einen elastischen Bereich (in dem sie in ihre Ursprungsform zurückkehrt) und einen plastischen Bereich (in dem sie sich dauerhaft verformt).

  • Überdehnung: Wenn in der Vergangenheit ein Draht mit dem maximal zulässigen Querschnitt (oder darüber hinaus) eingeführt wurde, kann die Feder am Limit ihrer Belastbarkeit gewesen sein. Über Jahre hinweg kann das Metall an Spannkraft verlieren (Kriechverhalten).
  • Ermüdung: Häufiges Öffnen und Schließen (bei Hebelklemmen) oder das gewaltsame Herausdrehen von Drähten (bei Steckklemmen) kann das Gefüge des Federstahls schwächen.

2. Mechanische Beschädigung beim Lösen

Besonders bei den klassischen Steckklemmen (ohne Hebel, z. B. Serie 273 oder 773) ist die Wiederverwendung problematisch:

  • Um den Draht zu lösen, muss man ihn unter Zug hin- und herdrehen. Dabei kann die scharfe Kante der Kontaktfeder, die sich eigentlich in den Draht "verbeißen" soll, leicht abgerundet oder verbogen werden.
  • Wird eine solche Klemme erneut benutzt, "beißt" sie nicht mehr so effektiv in den neuen Leiter, was den Übergangswiderstand erhöht.

3. Alterung des Kunststoffgehäuses

Das Gehäuse einer Wago-Klemme ist nicht nur eine Schutzhülle, sondern dient oft als Widerlager für die Feder.

  • Kunststoffe können über Jahrzehnte durch Weichmacherverlust spröde werden oder sich durch thermische Belastung (ständiges Erwärmen und Abkühlen im Betrieb) leicht verformen.
  • Wenn das Gehäuse nachgibt oder Haarrisse bekommt, hat die Feder nicht mehr den nötigen Gegendruck, um den Leiter fest gegen die Stromschiene zu pressen.

4. Korrosion und Verschmutzung

Bei alten Klemmen können die Kontaktflächen (die interne Stromschiene aus verzinntem Kupfer) oxidiert oder verschmutzt sein:

  • Oxidschichten: Diese erhöhen den elektrischen Widerstand. Ein erhöhter Widerstand führt zu Hitzeentwicklung. Hitze wiederum schwächt die Federkraft des Stahls (Anlasseffekt), was zu einem Teufelskreis führt.
  • Baustaub/Fett: Wenn beim Ausbau Staub oder Gipsreste in die Klemmstelle gelangen, verhindert dies einen sauberen metallischen Kontakt.

5. Thermische Vorschädigung

Falls die Klemme in ihrem "ersten Leben" einmal überlastet wurde (zu hoher Stromfluss), wurde die Feder sehr heiß. Ab einer gewissen Temperatur verliert Federstahl seine Federeigenschaften dauerhaft. Solche Klemmen sehen oft noch gut aus, haben aber keine ausreichende Presskraft mehr.


Fazit & Empfehlung

  • Hebel-Wagos (z. B. Serie 221/222): Diese sind für die Wiederverwendung konzipiert. Wenn sie sauber sind, keine Verfärbungen zeigen und der Hebel noch einen deutlichen "Schnapp-Widerstand" hat, ist die Wiederverwendung meist unbedenklich.
  • Steckklemmen: Diese sollten nach dem Lösen eines Drahtes im Zweifelsfall ersetzt werden. Da eine Klemme nur wenige Cent kostet, steht das Risiko eines Schmorbrandes durch einen zu hohen Übergangswiderstand in keinem Verhältnis zur Ersparnis.

Goldene Regel beim Elektro-Handwerk: Wenn sich ein Draht in einer gebrauchten Klemme leicht bewegen oder ohne nennenswerten Widerstand herausziehen lässt -> Sofort entsorgen!

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