Welche Risiken bestehen bei der Nutzung von Wago-Klemmen außerhalb ihrer spezifizierten Strom- und Spannungswerte?

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Die Nutzung von Wago-Klemmen (oder Federzugklemmen allgemein) außerhalb ihrer spezifizierten Grenzwerte für Stromstärke (Ampere) und Spannung (Volt) ist gefährlich und kann schwerwiegende Folgen haben. Die Risiken lassen sich in physikalische, sicherheitstechnische und rechtliche Kategorien unterteilen:

1. Risiken bei Überschreitung der Stromstärke (Überlastung)

Wird mehr Strom durch die Klemme geleitet als zulässig, ist das Hauptproblem die thermische Belastung.

  • Überhitzung durch Übergangswiderstand: Jede Verbindung hat einen minimalen Widerstand. Nach dem Ohmschen Gesetz ($P = I^2 \cdot R$) steigt die Verlustleistung (Wärme) quadratisch mit dem Strom. Doppelte Stromstärke bedeutet vierfache Wärmeentwicklung.
  • Materialermüdung der Feder: Die Klemmkraft der internen Stahlfeder kann durch extreme Hitze nachlassen (Anlassen des Metalls). Dadurch steigt der Übergangswiderstand weiter an, was zu einer noch stärkeren Erhitzung führt (Teufelskreis).
  • Schmelzen des Gehäuses: Das Kunststoffgehäuse kann schmelzen oder verkohlen. Dies kann zu Kurzschlüssen führen, wenn sich benachbarte Leiter berühren.
  • Brandgefahr: Dies ist das kritischste Risiko. Eine überhitzte Klemme kann umliegende Materialien (Isolierung von Kabeln, Staub, Holz in Trockenbauwänden oder Abzweigdosen) entzünden.

2. Risiken bei Überschreitung der Spannung

Wird eine Klemme mit einer höheren Spannung betrieben als spezifiziert (z. B. 1000 V an einer 450-V-Klemme), stehen die Isolationsfähigkeit und die Abstände im Vordergrund.

  • Spannungsüberschläge (Lichtbögen): Die Luft- und Kriechstrecken innerhalb der Klemme sind für eine bestimmte Spannung ausgelegt. Wird diese überschritten, kann es zu einem Lichtbogen zwischen den Leitern oder gegen Erde kommen.
  • Durchschlag der Isolierung: Das Gehäusematerial verliert seine isolierende Wirkung, was zu einem Stromschlag führen kann, wenn jemand die Klemme oder das (eigentlich isolierte) Gehäuse berührt.
  • Zerstörung elektronischer Bauteile: Lichtbögen verursachen transiente Überspannungen, die angeschlossene Geräte beschädigen können.

3. Mechanische und langfristige Risiken

  • Korrosion: Hohe Temperaturen beschleunigen chemische Prozesse. Die Kontaktstellen können oxidieren, was den Widerstand erhöht und die Zuverlässigkeit mindert.
  • Vibrationsempfindlichkeit: Wenn das Material durch Hitze geschwächt ist, verliert die Klemme ihre rüttelsichere Eigenschaft. Leiter können herauusrutschen.

4. Rechtliche und versicherungstechnische Folgen

  • Verlust der Zulassung (VDE, UL, etc.): Die Betriebserlaubnis der gesamten Elektroinstallation erlischt, wenn Komponenten außerhalb ihrer Spezifikation verwendet werden.
  • Haftung: Bei einem Brand oder Personenschaden haftet der Errichter der Anlage persönlich. Dies kann strafrechtliche Konsequenzen haben (fahrlässige Brandstiftung/Körperverletzung).
  • Versicherungsschutz: Sachversicherungen (z. B. Wohngebäude- oder Hausratversicherung) verweigern im Schadensfall oft die Zahlung, wenn grobe Fahrlässigkeit durch Missachtung von Herstellervorgaben vorliegt.

Zusammenfassung der Gefahrensymbiose

Oft treten Strom- und Spannungsprobleme kombiniert auf: Eine durch Überstrom erhitzte und verkohlte Klemme leitet Strom an Stellen, die eigentlich isolieren sollten. Die Verkohlung (Karbonisierung) des Kunststoffs macht diesen leitfähig, was wiederum Kriechströme und Lichtbögen begünstigt, selbst wenn die Spannung eigentlich noch im Limit liegt.

Fazit: Wago-Klemmen sind extrem sicher, solange man sich strikt an die Angaben auf der Verpackung oder im Datenblatt hält (max. Strom, max. Spannung, korrekte Abisolierlänge und zulässige Leiterquerschnitte). Experimente außerhalb dieser Werte sind lebensgefährlich.

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