Warum führen standardisierte Maße von Versandkartons oft zu unnötigem Leerraum?

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Dass wir oft riesige Kartons für winzige Produkte erhalten, ist ein bekanntes Ärgernis im Online-Handel. Dass standardisierte Maße zu diesem Leerraum führen, hat vor allem wirtschaftliche, logistische und technische Gründe.

Hier sind die Hauptursachen im Detail:

1. Kosteneffizienz durch Skaleneffekte

Für Versandhändler ist es deutlich günstiger, riesige Mengen von nur 5 bis 10 Standardgrößen zu kaufen, als für jedes Produkt eine maßgeschneiderte Verpackung vorzuhalten.

  • Einkaufsvorteil: Wer eine Million Kartons in einer Größe bestellt, zahlt pro Stück nur Centbeträge.
  • Lagerplatz: Im Lager des Händlers müssen die leeren Kartons (meist flach gefaltet) gelagert werden. Jede zusätzliche Kartonvariante benötigt einen eigenen Lagerplatz und verkompliziert die Bestandsverwaltung.

2. Geschwindigkeit im Verpackungsprozess

In großen Versandzentren (wie bei Amazon) zählt jede Sekunde.

  • Entscheidungszeit: Ein Mitarbeiter (oder ein Algorithmus) muss in Sekunden entscheiden, welcher Karton passt. Bei nur wenigen Standardgrößen fällt die Wahl leicht.
  • Automatisierung: Viele Verpackungsmaschinen sind auf feste Maße eingestellt. Das Umstellen einer Maschine auf ein individuelles Maß für jedes Paket würde den Prozess massiv verlangsamen.

3. Logistische Standardisierung (Die "Tetris"-Logik)

Logistikunternehmen (DHL, Hermes, UPS) arbeiten mit standardisierten Rollcontainern, Lkw-Ladeflächen und Sortieranlagen.

  • Standardkartons lassen sich besser stapeln. Ein stabiler Turm aus gleichförmigen Kartons nutzt den Platz im Lkw oft besser aus als ein instabiler Haufen aus tausend verschiedenen Spezialformen.
  • Förderbänder: Zu kleine oder unförmige Pakete können in den automatischen Sortieranlagen der Paketdienste stecken bleiben oder aussortiert werden, was zusätzliche Gebühren verursacht.

4. Schutzfunktion und Polsterung

Ein gewisser Leerraum ist oft absichtlich eingeplant, um das Produkt zu schützen.

  • Knautschzone: Der Leerraum (gefüllt mit Luftpolstern oder Papier) dient als Puffer. Wenn der Karton bei der Post geworfen wird oder unter Druck gerät, wird die Energie von der Verpackung und dem Füllmaterial absorbiert, bevor sie das Produkt erreicht.

5. Mehrfachbestellungen

Händler wissen oft nicht im Voraus, welche Produkte ein Kunde kombiniert. Ein Karton muss so flexibel sein, dass er sowohl ein Buch als auch eine dazu bestellte Packung Batterien und ein T-Shirt aufnehmen kann. Um nicht für jede denkbare Kombination einen Karton zu haben, wird die nächstgrößere Standardeinheit gewählt.

6. Tarifstrukturen der Paketdienste

Paketdienste rechnen oft nach Gewichtsklassen oder bestimmten Größenkategorien (S, M, L) ab. Solange ein Karton innerhalb der Maße für ein "M-Paket" bleibt, kostet er den Händler das Gleiche – egal ob er halb leer oder randvoll ist. Es gibt also keinen direkten finanziellen Anreiz für den Händler, den Karton "perfekt" zu verkleinern, solange er die nächste Preiskategorie nicht überschreitet.

Die Folgen und moderne Lösungen

Der Leerraum führt dazu, dass weltweit pro Jahr Millionen Tonnen Luft unnötig durch die Gegend gefahren werden, was die CO2-Bilanz verschlechtert und mehr Lkw auf die Straßen bringt.

Moderne Ansätze gegen das Problem:

  • Pack-on-Demand-Systeme: Große Händler setzen zunehmend Maschinen ein, die das Produkt scannen und aus einer Endlospappe in Echtzeit einen passgenauen Karton falten und zuschneiden.
  • Versand in Originalverpackung: Wo immer möglich, verzichten Händler auf den Umkarton und kleben das Versandetikett direkt auf die Produktverpackung.
  • Versandtaschen: Für weiche Waren (Kleidung) werden verstärkt recycelbare Plastik- oder Papierbeutel genutzt, die keinen Leerraum lassen.
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