Warum ist das Standardmaß für Kopierpapier in Europa ausgerechnet DIN A4 und wie wurde es festgelegt?
Das Standardmaß für Kopierpapier in Europa, das DIN-A4-Format, ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis einer mathematisch-logischen Überlegung. Die Einführung im Jahr 1922 sollte das Chaos der unzähligen verschiedenen Papierformate beenden, die damals im Umlauf waren.
Hier ist die Geschichte und die Logik hinter dem Format:
1. Der Erfinder: Walter Porstmann
Der Berliner Ingenieur und Mathematiker Walter Porstmann veröffentlichte 1922 die Norm DIN 476. Er baute dabei auf Ideen auf, die bereits im 18. Jahrhundert vom Physiker Georg Christoph Lichtenberg formuliert worden waren. Porstmann wollte ein System schaffen, bei dem alle Papiergrößen in einem festen mathematischen Verhältnis zueinander stehen.
2. Das magische Verhältnis: $1 : \sqrt{2}$
Das wichtigste Merkmal der DIN-Reihe ist das Seitenverhältnis von 1 zu Wurzel aus 2 (ca. 1 : 1,414).
Dieses Verhältnis wurde gewählt, weil es eine einzigartige geometrische Eigenschaft hat: Wenn man ein Blatt in der Mitte (an der langen Seite) faltet, haben die beiden entstehenden Hälften wieder genau dasselbe Seitenverhältnis wie das Ausgangsblatt.
- Der Vorteil: Man kann ein Dokument vergrößern oder verkleinern (z. B. von A4 auf A3 oder von A4 auf A5), ohne dass sich die Proportionen ändern. Es bleibt kein Rand übrig, und das Bild wird nicht verzerrt.
3. Die Basis: DIN A0
Das System beginnt beim Format DIN A0. Die Fläche eines A0-Bogens ist exakt ein Quadratmeter ($1\text{ m}^2$). Unter Berücksichtigung des Verhältnisses $1 : \sqrt{2}$ ergeben sich daraus für A0 die Maße: 841 mm × 1189 mm.
4. Der Weg zu A4
Das A4-Format entsteht durch das viermalige Halbieren eines A0-Bogens:
- A0 halbieren $\rightarrow$ A1
- A1 halbieren $\rightarrow$ A2
- A2 halbieren $\rightarrow$ A3
- A3 halbieren $\rightarrow$ A4 (210 mm × 297 mm)
A4 hat sich als Standardmaß für Korrespondenz und Kopien durchgesetzt, weil es handlich ist, gut in Aktenordner passt und eine angenehme Größe für das Lesen und Schreiben bietet. Es entspricht in etwa dem menschlichen Gesichtsfeld bei normalem Leseabstand.
5. Warum wurde es zum Standard?
Vor der Normung gab es hunderte Formate (z. B. "Quart", "Folio"), was die Lagerhaltung und den Bau von Druckmaschinen extrem kompliziert machte.
- 1922: Die DIN-Norm wird in Deutschland eingeführt.
- Schnelle Verbreitung: Da das System so logisch war, übernahmen es Behörden und die Industrie rasch.
- Internationalisierung: Nach dem Zweiten Weltkrieg verbreitete sich das System weltweit und wurde schließlich als internationale Norm ISO 216 übernommen.
Eine Ausnahme: Nordamerika
Fast die ganze Welt nutzt heute das DIN-System (ISO 216). Die einzige große Ausnahme sind die USA und Kanada. Dort nutzt man das Format "Letter" (216 × 279 mm). Dieses basiert nicht auf einer mathematischen Formel, sondern auf historisch gewachsenen Traditionen der Papierherstellung durch Schöpfsiebe.
Zusammenfassend: DIN A4 ist das Maß der Dinge, weil es auf einem Quadratmeter Fläche basiert und durch sein mathematisches Verhältnis ($1 : \sqrt{2}$) beim Falten oder Skalieren immer seine Proportionen behält.