Warum scheint bei dünnem Kopierpapier die Tinte oder der Toner auf der Rückseite durch?
Dass Tinte oder Toner bei dünnem Papier auf der Rückseite sichtbar werden, liegt an einer Kombination aus physikalischen und optischen Faktoren. Man unterscheidet dabei meist zwischen zwei Phänomenen: dem Durchscheinen (optisch) und dem Durchschlagen (physisch).
Hier sind die Hauptgründe im Detail:
1. Geringe Opazität (Lichtundurchlässigkeit)
Der wichtigste Fachbegriff hierfür ist die Opazität. Sie beschreibt, wie blickdicht ein Papier ist.
- Dünnes Papier (z. B. mit einem Flächengewicht von 60 oder 70 g/m²) hat weniger Papiermassee und damit weniger Holzfasern und Füllstoffe pro Quadratzentimeter als dickeres Papier (standardmäßig 80 g/m² oder mehr).
- Da weniger Material vorhanden ist, kann Licht leichter durch das Papier dringen. Wenn Licht auf das Blatt fällt, wird es an der dunklen Tinte auf der Rückseite absorbiert und nicht vom Papier reflektiert. Dadurch sehen wir den dunklen Kontrast der Schrift von der anderen Seite.
2. Kapillareffekt (Durchschlagen bei Tinte)
Dies betrifft vor allem Tintenstrahldrucker oder Füller, die mit flüssiger Tinte arbeiten:
- Papier besteht aus einem Geflecht von Zellulosefasern. Zwischen diesen Fasern befinden sich winzige Hohlräume.
- Flüssige Tinte wird durch die Kapillarkraft in diese Hohlräume gesogen – ähnlich wie bei einem Schwamm.
- Bei dünnem Papier ist der Weg von der Vorder- zur Rückseite sehr kurz. Die Tinte wandert tief in die Papierstruktur hinein und erreicht bei sehr dünnem oder minderwertigem Papier tatsächlich die Fasern an der Rückseite. Man spricht dann von "Bleed-through" (Durchschlagen).
3. Geringe Dichte und fehlende Füllstoffe
Papier besteht nicht nur aus Fasern, sondern auch aus Füllstoffen (wie Kreide oder Kaolin), die die Lücken füllen und das Papier weißer und undurchsichtiger machen.
- Bei billigem oder sehr dünnem Kopierpapier wird oft am Material gespart.
- Eine lockere Faserstruktur ohne ausreichende Füllstoffe lässt die Tinte schneller einsinken und das Licht leichter passieren.
4. Besonderheit bei Toner (Laserdrucker)
Beim Laserdrucker schlägt die Farbe physikalisch eigentlich nicht durch, da Toner ein trockenes Pulver ist, das nur auf der Oberfläche aufgeschmolzen wird.
- Wenn es hier trotzdem "durchscheint", liegt es rein an der mangelnden Opazität (Punkt 1). Das Papier ist so dünn/transparent, dass man die schwarze Schicht auf der Vorderseite schlicht durch das Papier hindurch sieht.
Zusammenfassung: Was kann man tun?
Wenn Sie das Durchscheinen verhindern wollen, gibt es drei Möglichkeiten:
- Höhere Grammatur: Nutzen Sie Papier mit 90 g/m² oder 100 g/m².
- Spezielle Beschichtung: Inkjet-Papiere haben oft eine Beschichtung, die die Tinte an der Oberfläche fixiert, bevor sie einsickern kann.
- Opazität beachten: Achten Sie beim Kauf auf die Angabe der Opazität (in Prozent). Ein Wert über 90 % gilt als gut für beidseitiges Bedrucken.