Überleben die Bakterien in Probiotika die Passage durch die Magensäure?
Die kurze Antwort lautet: Nicht alle, aber ein bedeutender Teil kann überleben, sofern bestimmte Bedingungen erfüllt sind.
Die Magensäure ist eine extrem feindliche Umgebung (pH-Wert zwischen 1 und 3), die eigentlich dazu da ist, Bakterien und Krankheitserreger abzutöten. Damit Probiotika ihre Wirkung im Darm entfalten können, müssen sie diese Passage jedoch lebend überstehen.
Hier sind die wichtigsten Faktoren, die das Überleben der Bakterien bestimmen:
1. Der Bakterienstamm
Nicht alle Bakterien sind gleich robust.
- Laktobazillen und Bifidobakterien: Einige Stämme dieser Gruppen (z. B. Lactobacillus acidophilus) haben eine natürliche Toleranz gegenüber Säure entwickelt, aber ein großer Teil stirbt im Magen ab.
- Sporenbildner: Bakterien wie Bacillus coagulans bilden eine Art Schutzhülle (Sporen). Diese sind extrem widerstandsfähig gegen Hitze und Säure und überstehen die Magenpassage fast unbeschadet, um erst im Darm „auszukeimen“.
2. Die Darreichungsform (Kapsel vs. Pulver)
Dies ist einer der wichtigsten Faktoren bei Nahrungsergänzungsmitteln:
- Magensaftresistente Kapseln: Hochwertige Probiotika nutzen spezielle Kapselhüllen, die sich erst im alkalischen Milieu des Dünndarms auflösen. Die Bakterien kommen so gar nicht erst mit der Magensäure in Kontakt.
- Pulver oder Joghurt: Hier sind die Bakterien der Säure direkt ausgesetzt. Damit genug Bakterien überleben, muss die Anfangskonzentration (KBE - Koloniebildende Einheiten) sehr hoch sein (oft im Bereich von mehreren Milliarden), um die Verluste im Magen auszugleichen.
3. Der Einnahmezeitpunkt
Es gibt zwei Strategien, um die Passage zu erleichtern:
- Auf nüchternen Magen: Die Verweilzeit im Magen ist kurz (ca. 15–30 Minuten). Die Bakterien gelangen schnell in den Darm, sind aber der puren Säure ausgesetzt.
- Zu einer leichten Mahlzeit: Das Essen puffert die Magensäure ab (der pH-Wert steigt), was für die Bakterien weniger Stress bedeutet. Allerdings verweilen sie durch die Verdauung länger im Magen.
- Empfehlung: Die meisten Hersteller empfehlen die Einnahme kurz vor oder zu einer Mahlzeit (besonders wenn gesunde Fette enthalten sind), da dies die Überlebensrate oft erhöht.
4. Mikroverkapselung
Moderne Herstellungsverfahren nutzen die Mikroverkapselung. Dabei werden die einzelnen Bakterien mit einer mikroskopisch kleinen Schutzschicht (z. B. aus Lipiden oder Polysacchariden) überzogen. Das erhöht die Überlebenschancen im Vergleich zu „nackten“ Bakterien drastisch.
Fazit: Worauf sollten Sie achten?
Wenn Sie sicherstellen wollen, dass die Probiotika im Darm ankommen:
- Achten Sie auf den Hinweis „magensaftresistent“ auf der Verpackung.
- Wählen Sie Produkte mit einer hohen Anzahl an lebenden Kulturen (mindestens 1 bis 10 Milliarden KBE pro Dosis).
- Bevorzugen Sie Produkte mit klinisch untersuchten Stämmen, die für ihre Säureresistenz bekannt sind.
- Bei Probiotika aus Lebensmitteln (wie Joghurt oder Sauerkraut) ist die Überlebensrate geringer, aber durch den regelmäßigen Verzehr großer Mengen kommen dennoch ausreichend Bakterien im Darm an.