Welche Risiken bestehen bei der Einnahme von Probiotika für Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem?

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Obwohl Probiotika für gesunde Menschen in der Regel als sicher gelten, stellen sie für Personen mit einem stark geschwächten Immunsystem (immunkompromittierte Patienten) ein ernstzunehmendes Risiko dar. Da Probiotika aus lebenden Mikroorganismen bestehen, können sie unter bestimmten Umständen selbst zur Ursache von Infektionen werden.

Hier sind die spezifischen Risiken im Detail:

1. Bakteriämie und Sepsis (Blutvergiftung)

Das größte Risiko besteht darin, dass die im Probiotikum enthaltenen Bakterien (z. B. Lactobacillus oder Bifidobacterium) die Darmwand überwinden und in die Blutbahn gelangen. Bei gesunden Menschen verhindert das Immunsystem dies sofort. Bei geschwächten Patienten kann dies zu einer Bakteriämie (Bakterien im Blut) und im schlimmsten Fall zu einer lebensbedrohlichen Sepsis führen.

2. Fungämie (Pilzinfektion im Blut)

Einige Probiotika enthalten Hefen (wie Saccharomyces boulardii). Bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem oder solchen, die einen zentralen Venenkatheter haben, besteht das Risiko einer Fungämie. Die Hefe breitet sich im Blut aus und kann Organe befallen. Es gibt dokumentierte Fälle, in denen die Hefe sogar durch bloßen Kontakt mit den Händen des Personals oder über die Luft auf benachbarte Patienten mit Kathetern übertragen wurde.

3. Endokarditis (Herzinnenhautentzündung)

In seltenen Fällen können die probiotischen Bakterien die Herzklappen besiedeln und eine Endokarditis verursachen. Dies ist eine sehr schwere Erkrankung, die oft eine langwierige intravenöse Antibiotikatherapie oder sogar eine Operation erfordert.

4. Übertragung von Antibiotikaresistenzen

Es besteht das theoretische Risiko, dass probiotische Bakterienstämme Resistenzgene gegen Antibiotika in sich tragen. Diese Gene könnten im Darm auf krankheitserregende (pathogene) Bakterien übertragen werden („horizontaler Gentransfer“). Bei einem immunsupprimierten Patienten könnte dies dazu führen, dass eine Infektion später nicht mehr mit Standard-Antibiotika behandelbar ist.

5. Toxische Stoffwechselprodukte

In Ausnahmefällen können Probiotika Stoffwechselprodukte erzeugen, die für den geschwächten Organismus belastend sind, wie zum Beispiel eine D-Laktat-Azidose (eine Übersäuerung des Blutes durch Milchsäure), die neurologische Symptome verursachen kann.


Wer gehört zur Risikogruppe?

Besonders vorsichtig sollten Menschen sein, auf die folgende Punkte zutreffen:

  • Krebspatienten unter Chemotherapie oder Bestrahlung.
  • Organtransplantierte, die Immunsuppressiva einnehmen.
  • Menschen mit fortgeschrittener HIV-Infektion.
  • Patienten auf der Intensivstation.
  • Menschen mit zentralen Venenkathetern.
  • Frühgeborene oder schwerkranke Säuglinge.
  • Patienten mit schweren strukturellen Herzerkrankungen.
  • Personen mit einer stark geschädigten Darmbarriere (z. B. bei akuten Schüben schwerer chronisch-entzündlicher Darmerkrankungen).

Fazit und Empfehlung

Für Menschen mit einem stark geschwächten Immunsystem gilt: Nehmen Sie niemals Probiotika ohne ausdrückliche Rücksprache mit dem behandelnden Facharzt (Onkologe, Immunologe, etc.) ein.

In manchen klinischen Fällen werden Probiotika zwar dennoch gezielt eingesetzt (z. B. um eine Clostridium difficile-Infektion zu verhindern), dies geschieht jedoch unter strenger medizinischer Überwachung und Abwägung von Nutzen und Risiko.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung.

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