Kann man aus roten Weintrauben auch Weißwein herstellen, und falls ja, wie nennt man diesen?
Ja, das ist absolut möglich! Tatsächlich wird dies sogar recht häufig gemacht.
Wie nennt man diesen Wein?
Die Fachbezeichnung für einen Weißwein, der aus roten Trauben gepresst wurde, lautet „Blanc de Noirs“ (französisch für „Weißer aus Schwarzen“).
Wie funktioniert das?
Die Herstellung basiert auf einer biologischen Besonderheit der meisten roten Rebsorten:
- Heller Saft: Fast alle roten Weintrauben haben ein helles (weißes) Fruchtfleisch und somit auch hellen Saft. Die roten Farbpigmente befinden sich fast ausschließlich in der Schale.
- Schnelles Pressen: Um Weißwein aus roten Trauben zu gewinnen, müssen die Trauben nach der Ernte sehr vorsichtig und vor allem schnell abgepresst werden.
- Trennung von Saft und Schale: Der Saft wird sofort von den Beerenhäuten getrennt. Da die Gärung erst danach ohne die Schalen stattfindet, gelangen keine Farbstoffe in den Wein.
Das Ergebnis ist ein Wein, der optisch wie ein Weißwein aussieht (manchmal mit einem ganz leichten Goldschimmer oder minimalen Rosé-Reflexen), aber oft die Struktur und die Aromen einer roten Traube (z. B. Beerennoten) beibehält.
Bekannte Beispiele
- Champagner: Echter Champagner wird sehr oft aus der roten Rebsorte Pinot Noir (Spätburgunder) oder Pinot Meunier (Schwarzriesling) hergestellt, ist aber meist klar und hell. Wenn er ausschließlich aus roten Trauben besteht, steht oft „Blanc de Noirs“ auf dem Etikett.
- Spätburgunder Blanc de Noirs: In Deutschland findet man häufig Stillweine aus der Spätburgunder-Traube, die als Blanc de Noirs ausgebaut wurden.
Gibt es Ausnahmen?
Ja, es gibt sogenannte „Färbertrauben“ (Teinturier-Reben). Bei diesen seltenen Sorten ist auch das Fruchtfleisch und somit der Saft dunkel (z. B. bei der Sorte Dunkelfelder oder Alicante Bouschet). Aus diesen Trauben kann man keinen weißen Wein herstellen.