Warum führt der Gehalt an Sulfiten in Weißwein bei manchen Menschen zu Unverträglichkeiten?
Dass manche Menschen auf Sulfite im Wein (insbesondere im Weißwein) reagieren, liegt an einer Kombination aus biologischen Mechanismen und der chemischen Zusammensetzung des Weins.
Hier sind die Hauptgründe für die Unverträglichkeit:
1. Warum sind überhaupt Sulfite im Wein?
Sulfite (Salze der schwefligen Säure) werden fast jedem Wein zugesetzt, um zwei Dinge zu erreichen:
- Antioxidative Wirkung: Sie verhindern, dass der Wein mit Sauerstoff reagiert und zu Essig wird oder braun wird.
- Antimikrobielle Wirkung: Sie töten unerwünschte Bakterien und wilde Hefen ab.
Warum haben Weißweine oft mehr Sulfite? Rotweine enthalten natürliche Gerbstoffe (Tannine) aus der Traubenschale, die bereits als Konservierungsmittel wirken. Weißweine haben kaum Tannine und sind daher anfälliger für Oxidation. Deshalb muss der Winzer bei Weißwein (und besonders bei restsüßen Weinen) oft mehr Schwefel zusetzen, um ihn stabil zu halten.
2. Die biologischen Ursachen der Unverträglichkeit
Eine Sulfitunverträglichkeit ist meist keine echte Allergie, sondern eine Pseudoallergie oder eine Stoffwechselbesonderheit.
- Mangel an Sulfitoxidase: Der menschliche Körper besitzt ein Enzym namens Sulfitoxidase, das Sulfite in harmloses Sulfat umwandelt. Bei manchen Menschen ist dieses Enzym weniger aktiv oder in zu geringer Menge vorhanden. Die Sulfite verbleiben länger im Körper und lösen Symptome aus.
- Asthma-Reaktionen: Etwa 5 bis 10 % aller Asthmatiker reagieren empfindlich auf Sulfite. Wenn der Wein getrunken wird, kann im Magen Schwefeldioxid-Gas freigesetzt werden, das über die Atemwege reflektorisch zu einer Verengung der Bronchien (Bronchospasmus) führt.
- Histamin-Wechselwirkung: Oft werden Sulfite fälschlicherweise für Kopfschmerzen verantwortlich gemacht. Häufig ist es jedoch die Kombination mit Histaminen. Sulfite können den Abbau von Histamin im Körper hemmen, was die typischen Symptome wie Rötungen, Fließschnupfen oder Kopfschmerz verstärkt.
3. Typische Symptome
Menschen mit einer Sulfit-Sensitivität klagen meist über:
- Kopfschmerzen (oft direkt nach dem Konsum).
- Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Blähungen).
- Hautreizungen (Rötungen, Juckreiz, Nesselsucht).
- Atemnot oder asthmatische Anfälle.
4. Der Mythos "Kopfschmerz am nächsten Morgen"
Wissenschaftlich ist umstritten, ob Sulfite allein für den klassischen „Kater-Kopfschmerz“ am nächsten Tag verantwortlich sind. Dafür ist meistens der Alkohol (und dessen Abbauprodukt Acetaldehyd) sowie Dehydrierung verantwortlich. Der „sofortige“ Kopfschmerz kurz nach dem Trinken deutet hingegen eher auf eine Sulfit- oder Histamin-Unverträglichkeit hin.
Was kann man tun?
- Bio-Weine: Diese haben oft (aber nicht immer) strengere Grenzwerte für den Schwefelgehalt.
- Rotwein bevorzugen: Da Rotwein durch Tannine geschützt ist, enthält er im Durchschnitt weniger zugesetzte Sulfite als Weißwein.
- „Ohne Schwefelzusatz“: Es gibt Weine, die ohne Schwefelung ausgebaut werden (oft als Naturweine oder „Natural Wine“ deklariert). Achtung: Ein kleiner Restgehalt ist immer vorhanden, da Sulfite ein natürliches Nebenprodukt der Gärung sind.
Zusammenfassend: Die Unverträglichkeit entsteht meist durch einen verlangsamten enzymatischen Abbau im Körper oder eine Überempfindlichkeit der Atemwege, wobei Weißwein aufgrund des fehlenden Schutzes durch Tannine oft eine höhere Dosis dieser Stoffe benötigt.