Hat abgefülltes Mineralwasser eine schlechtere Ökobilanz als herkömmliches Leitungswasser?
Die kurze Antwort lautet: Ja, abgefülltes Mineralwasser hat eine deutlich schlechtere Ökobilanz als Leitungswasser.
Untersuchungen (unter anderem vom Umweltbundesamt und verschiedenen Verbraucherorganisationen) zeigen, dass die Umweltbelastung durch Mineralwasser in Flaschen um den Faktor 90 bis 1000 höher sein kann als bei Leitungswasser, je nach Transportweg und Verpackungsart.
Hier sind die Hauptgründe für diesen großen Unterschied:
1. Der Transport (Der größte Faktor)
- Leitungswasser: Es kommt über ein bestehendes Rohrnetz direkt ins Haus. Es sind keine Lastwagenfahrten nötig.
- Mineralwasser: Es wird oft hunderte oder sogar tausende Kilometer weit transportiert – von der Quelle zur Abfüllanlage, zum Logistikzentrum, zum Supermarkt und schließlich zum Endverbraucher. Besonders schlecht schneiden "Trend-Wässer" ab, die aus fernen Ländern (z. B. Fidschi oder Frankreich) importiert werden.
2. Die Verpackung
- Leitungswasser: Benötigt keine Einwegverpackung. Man nutzt Glasflaschen oder Mehrweg-Trinkflaschen über Jahre hinweg.
- Mineralwasser:
- Einweg-Plastik (PET): Verbraucht bei der Herstellung fossile Rohstoffe (Erdöl) und Energie. Auch wenn sie recycelt werden, ist der Prozess energieaufwendig.
- Mehrweg-Glas: Zwar ökologisch besser als Einweg-Plastik, aber durch das hohe Gewicht der Flaschen ist der CO2-Ausstoß beim Transport deutlich höher.
- Mehrweg-Plastik (PET): Gilt oft als der "beste" Kompromiss unter den Flaschenwässern, da sie leicht und wiederverwendbar sind – bleibt aber weit hinter Leitungswasser zurück.
3. Reinigung und Verarbeitung
- Mineralwasserflaschen (Mehrweg) müssen aufwendig mit heißem Wasser und Chemikalien gereinigt werden.
- Leitungswasser wird in den Wasserwerken zwar aufbereitet, der Energieaufwand pro Liter ist jedoch minimal im Vergleich zur industriellen Abfüllung und Reinigung von Flaschen.
4. CO2-Fußabdruck im Vergleich
Studien (z.B. der ESU-services aus der Schweiz) kommen zu folgendem Ergebnis für die CO2-Emissionen pro Liter:
- Leitungswasser: ca. 0,35 Gramm CO2-Äquivalente.
- Mineralwasser (regional, Mehrweg): ca. 45 Gramm CO2-Äquivalente.
- Mineralwasser (nicht regional, Einweg): über 200 bis 400 Gramm CO2-Äquivalente.
Wie steht es um die Qualität?
In Deutschland, Österreich und der Schweiz gehört Leitungswasser zu den am strengsten kontrollierten Lebensmitteln überhaupt.
- Die Trinkwasserverordnung legt oft strengere Grenzwerte fest als die Mineral- und Tafelwasserverordnung.
- Mineralwasser enthält oft mehr gelöste Mineralien, aber der Körper deckt seinen Mineralstoffbedarf ohnehin primär über die feste Nahrung.
- Einziges Risiko beim Leitungswasser: Alte Bleirohre (in Gebäuden vor 1973) oder schlecht gewartete Armaturen im eigenen Haus. Hier kann eine Wasseranalyse Sicherheit geben.
Fazit
Wer Leitungswasser trinkt, spart nicht nur viel Geld und das Schleppen von Kisten, sondern leistet einen der einfachsten und effektivsten Beiträge zum Umweltschutz im Alltag. Wenn man Sprudel bevorzugt, ist ein Wassersprudler (mit CO2-Zylinder) ökologisch immer noch deutlich besser als der Kauf von Flaschenwasser.