Für welche Personengruppen ist die Einnahme von Supplementen sinnvoll?
Grundsätzlich gilt: Für gesunde Menschen, die sich ausgewogen und abwechslungsreich ernähren, sind Nahrungsergänzungsmittel (NEM) in der Regel nicht notwendig. Es gibt jedoch bestimmte Lebensphasen, Ernährungsformen oder gesundheitliche Umstände, in denen die gezielte Einnahme sinnvoll oder sogar medizinisch notwendig ist.
Hier sind die wichtigsten Personengruppen im Überblick:
1. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch
- Folsäure: Es wird dringend empfohlen, bereits bei Kinderwunsch und im ersten Drittel der Schwangerschaft Folsäure einzunehmen, um Fehlbildungen des Nervensystems (Neuralrohrdefekte) beim Kind vorzubeugen.
- Jod: Der Bedarf ist in der Schwangerschaft erhöht (nach Rücksprache mit dem Arzt).
- Eisen & Omega-3 (DHA): Je nach Blutwerten oder Ernährungsgewohnheiten oft sinnvoll.
2. Veganer und Vegetarier
- Vitamin B12: Für Veganer ist die Supplementierung von B12 lebensnotwendig, da dieses Vitamin fast ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vorkommt.
- Eisen, Zink, Kalzium & Omega-3: Bei einer rein pflanzlichen Ernährung sollte auf diese kritischen Nährstoffe geachtet und bei einem Mangel nachgeholfen werden.
3. Säuglinge und Kleinkinder
- Vitamin D: Da Babys nicht direkter Sonne ausgesetzt werden sollten, erhalten sie im ersten Lebensjahr (oft auch im zweiten) Vitamin-D-Präparate zur Vorbeugung von Rachitis.
- Fluorid: Oft in Kombination mit Vitamin D zur Kariesprophylaxe.
4. Ältere Menschen
Mit zunehmendem Alter sinkt oft der Kalorienbedarf, aber der Nährstoffbedarf bleibt gleich oder steigt sogar.
- Vitamin D: Die Eigenproduktion der Haut lässt nach.
- Vitamin B12: Die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt funktioniert im Alter oft schlechter.
- Kalzium: Zur Vorbeugung von Osteoporose.
- Eiweiß: Bei drohendem Muskelschwund.
5. Menschen mit wenig Sonnenkontakt (Vitamin D)
In Breitengraden wie Deutschland ist die Sonne im Winter (Oktober bis März) zu schwach für die Vitamin-D-Bildung.
- Sinnvoll für Menschen, die fast nur in geschlossenen Räumen arbeiten.
- Sinnvoll für Menschen, die ihren Körper aus religiösen oder kulturellen Gründen fast vollständig verhüllen.
- Menschen mit dunkler Hautfarbe (da Melanin die Vitamin-D-Synthese bremst).
6. Leistungssportler
Durch starkes Schwitzen und hohe körperliche Belastung kann ein Mehrbedarf entstehen.
- Magnesium & Kalium: Elektrolytausgleich.
- Eisen: Besonders bei Ausdauersportlerinnen.
- Proteine/Kreatin: Je nach Trainingsziel und Intensität.
7. Menschen mit chronischen Krankheiten oder nach Operationen
- Resorptionsstörungen: Bei Krankheiten wie Morbus Crohn, Zöliakie oder nach einer Magenverkleinerung können Nährstoffe nicht gut aufgenommen werden.
- Starke Menstruation: Frauen mit sehr starken Blutungen benötigen oft Eisen.
8. Menschen unter starkem Stress oder mit einseitiger Ernährung
- Wer sich dauerhaft von Fast Food ernährt oder in extremen Stressphasen das Essen vergisst, kann kurzzeitig von Multivitaminpräparaten profitieren – dies ersetzt jedoch keine Ernährungsumstellung.
Wichtige Hinweise vor der Einnahme:
- Bluttest machen: Supplemente „auf gut Glück“ zu schlucken, ist oft unnötig und kann teuer sein. Ein Blutbild beim Hausarzt (z.B. Check-up 35+) gibt Klarheit.
- Gefahr der Überdosierung: Besonders fettlösliche Vitamine (A, D, E, K) können im Körper gespeichert werden und in zu hohen Dosen schaden. Auch zu viel Eisen oder Selen kann toxisch wirken.
- Qualität: Nahrungsergänzungsmittel unterliegen nicht den strengen Kontrollen wie Arzneimittel. Achten Sie auf seriöse Anbieter.
- Wechselwirkungen: Einige Supplemente können die Wirkung von Medikamenten (z.B. Blutverdünner oder die Pille) beeinflussen.
Fazit: Supplemente sind Werkzeuge für spezifische Lücken. Der erste Weg sollte immer über eine Optimierung der Ernährung führen.