Für welche Personengruppen ist die Einnahme von Multivitaminen besonders sinnvoll?
Obwohl eine ausgewogene Ernährung in der Regel alle notwendigen Nährstoffe liefert, gibt es bestimmte Lebensphasen und Personengruppen, bei denen die Einnahme von Multivitaminpräparaten (oder gezielten Einzelpräparaten) wissenschaftlich begründet und sinnvoll sein kann.
Hier sind die wichtigsten Personengruppen im Überblick:
1. Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch
Dies ist die Gruppe, für die Supplemente am dringendsten empfohlen werden.
- Folsäure: Zur Vorbeugung von Neuralrohrdefekten (offener Rücken) beim Embryo. Die Einnahme sollte idealerweise schon vor der Befruchtung beginnen.
- Jod: Für die Schilddrüsenfunktion und geistige Entwicklung des Kindes.
- Eisen: Da der Bedarf durch das erhöhte Blutvolumen stark ansteigt.
2. Senioren (Menschen ab ca. 65 Jahren)
Im Alter verändert sich der Stoffwechsel und der Nährstoffbedarf.
- Vitamin B12: Die Aufnahme über den Magen-Darm-Trakt verschlechtert sich oft im Alter (atrophische Gastritis).
- Vitamin D: Die Fähigkeit der Haut, Vitamin D durch Sonnenlicht zu bilden, nimmt massiv ab. Zudem halten sich Senioren oft weniger im Freien auf.
- Geringerer Appetit: Wenn insgesamt weniger gegessen wird, sinkt oft auch die Zufuhr von Mikronährstoffen.
3. Veganer und strikte Vegetarier
Wer tierische Produkte komplett meidet, muss bestimmte Nährstoffe ergänzen.
- Vitamin B12: Dieses Vitamin kommt in nennenswerten Mengen fast nur in tierischen Lebensmitteln vor. Für Veganer ist die Supplementierung essenziell.
- Eisen, Zink und Omega-3: Je nach Zusammenstellung der Ernährung kann hier eine Ergänzung sinnvoll sein.
4. Menschen mit chronischen Erkrankungen oder Malabsorption
Bestimmte Krankheiten verhindern, dass der Körper Nährstoffe aus der Nahrung richtig aufnimmt.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (z. B. Morbus Crohn, Colitis ulcerosa).
- Zöliakie (Glutenunverträglichkeit).
- Nach Magen-Bypass-Operationen: Hier ist eine lebenslange Supplementierung meist zwingend erforderlich.
5. Menschen mit sehr einseitiger Ernährung oder Diäten
- Personen, die über längere Zeit eine sehr kalorienarme Diät (unter 1.200 - 1.500 kcal/Tag) machen.
- Menschen mit Essstörungen.
- Personen, die aufgrund schwerer Allergien ganze Lebensmittelgruppen ausschließen müssen.
6. Raucher und Menschen mit hohem Alkoholkonsum
- Raucher: Haben einen deutlich höheren Bedarf an Vitamin C (ca. 40 % mehr als Nichtraucher), da das Rauchen vermehrt freie Radikale im Körper erzeugt.
- Alkoholkonsum: Chronischer Alkoholkonsum stört die Aufnahme von B-Vitaminen (besonders B1 und Folsäure).
7. Menschen mit wenig Sonnenkontakt
In nördlichen Breitengraden (wie Deutschland) ist die Vitamin-D-Versorgung im Winter für fast alle Gruppen schwierig. Besonders betroffen sind aber Menschen, die ihren Körper aus religiösen oder kulturellen Gründen fast vollständig verhüllen oder die bettlägerig sind.
Wichtige Warnhinweise:
- Gießkannenprinzip vermeiden: Multivitaminpräparate enthalten oft Substanzen, die man gar nicht benötigt. Eine Überdosierung von fettlöslichen Vitaminen (A, D, E, K) kann schädlich sein.
- Qualität der Nahrung: Supplemente können eine ungesunde Ernährung ("Fast Food plus Pille") nicht vollständig kompensieren, da sekundäre Pflanzenstoffe und Ballaststoffe in den Kapseln meist fehlen.
- Ärztliche Rücksprache: Bevor man zu Multivitaminpräparaten greift, ist ein Bluttest beim Hausarzt ratsam. So kann gezielt supplementiert werden, was wirklich fehlt, anstatt den Körper mit unnötigen Stoffen zu belasten.
Fazit: Für den durchschnittlich gesunden Erwachsenen mit abwechslungsreicher Kost sind Multivitamintabletten meist "teurer Urin". Für die oben genannten Risikogruppen können sie jedoch eine wichtige Stütze zur Erhaltung der Gesundheit sein.