Besteht bei TK-Himbeeren ein Risiko für Infektionen durch Noroviren?

Bearbeiten
Löschen

Ja, bei tiefgekühlten (TK) Himbeeren besteht ein reales Risiko für Infektionen mit Noroviren. Diese Beeren gelten sogar als eine der Hauptquellen für lebensmittelbedingte Norovirus-Ausbrüche.

Hier sind die wichtigsten Fakten und Hintergründe dazu:

1. Warum sind gerade TK-Himbeeren betroffen?

  • Anbau und Ernte: Himbeeren werden oft in Ländern mit niedrigeren Hygienestandards von Hand gepflückt. Wenn Erntehelfer infiziert sind, können die Viren direkt auf die Frucht gelangen.
  • Bewässerung: Häufig wird verunreinigtes Wasser zur Bewässerung oder zum Ausbringen von Dünger verwendet.
  • Struktur der Beere: Die empfindliche, unebene Oberfläche der Himbeere bietet viele Versteckmöglichkeiten für Viren. Sie lassen sich kaum abwaschen, ohne die Beere zu zerstören.
  • Verarbeitung: In Verarbeitungsbetrieben werden große Chargen gemischt. Eine kleine Menge kontaminierter Beeren kann so tonnenweise Ware verunreinigen.

2. Tiefkühlen tötet Viren nicht ab

Ein weit verbreiteter Irrtum ist, dass das Einfrieren Krankheitserreger abtötet. Das Gegenteil ist der Fall: Noroviren sind extrem kälteresistent. Sie überdauern die Lagerung im Tiefkühlfach über Monate hinweg problemlos und bleiben infektiös.

3. Historische Vorfälle

Der bekannteste Fall in Deutschland ereignete sich im Jahr 2012: Damals erkrankten über 11.000 Menschen (vor allem Kinder in Schulen und Kitas) in Ostdeutschland an Noroviren. Die Ursache waren verunreinigte TK-Erdbeeren aus China, die nicht ausreichend erhitzt worden waren. Auch bei Himbeeren gibt es immer wieder Rückrufe und kleinere Ausbrüche.

4. Empfehlungen für den sicheren Verzehr

Um das Risiko einer Infektion zu minimieren, empfehlen das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Verbraucherzentralen Folgendes:

  • Durcherhitzen: Noroviren werden erst bei hohen Temperaturen abgetötet. TK-Beeren sollten für mindestens zwei Minuten auf über 90 °C erhitzt werden (z. B. aufkochen bei der Zubereitung von Grütze, Soßen oder Marmelade).
  • Vorsicht bei Smoothies und Desserts: Wenn TK-Beeren direkt aus der Packung im gefrorenen oder angetauten Zustand in Smoothies, Joghurt oder Torten verwendet werden, bleibt das Risiko bestehen.
  • Risikogruppen: Besonders empfindliche Personen (Kleinkinder, Senioren, Schwangere oder Menschen mit geschwächtem Immunsystem) sollten TK-Beeren grundsätzlich nur im erhitzten Zustand verzehren.

Fazit

Während die Wahrscheinlichkeit bei einer einzelnen Packung gering ist, ist das Risiko bei TK-Himbeeren systemisch vorhanden. Wenn Sie sichergehen wollen (insbesondere bei der Verpflegung von Kindern oder älteren Menschen), ist kurzes Aufkochen die einzige zuverlässige Methode, um Noroviren unschädlich zu machen.