Ist das Risiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) bei der Verwendung von Menstruationstassen geringer als bei der Nutzung von Tampons?

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Die kurze Antwort lautet: Nein, das Risiko ist nicht grundsätzlich geringer.

Lange Zeit wurde angenommen, dass Menstruationstassen sicherer seien als Tampons, da sie das Blut nur auffangen, statt es aufzusaugen, und die Vaginalschleimhaut nicht austrocknen. Aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen jedoch, dass das Risiko für ein Toxisches Schocksyndrom (TSS) bei Menstruationstassen vergleichbar mit dem von Tampons ist – in manchen Laboruntersuchungen schnitten Tassen sogar etwas schlechter ab.

Hier sind die Details zur aktuellen Studienlage und den Gründen:

1. Was die Forschung sagt

Eine im Fachmagazin The Lancet Public Health (2019) veröffentlichte große Übersichtsarbeit kam zu dem Schluss, dass das TSS-Risiko bei Menstruationstassen ähnlich hoch ist wie bei Tampons. Es wurden zwar nur wenige Fälle weltweit dokumentiert, aber sie existieren.

Eine französische Studie aus dem Jahr 2018 (Laboruntersuchung) deutete sogar darauf hin, dass Menstruationstassen das Wachstum des Bakteriums Staphylococcus aureus (das das TSS-Toxin produziert) begünstigen könnten, weil:

  • Sauerstoff: In der Tasse verbleibt oft eine gewisse Menge Luft. Die Bakterien benötigen Sauerstoff, um das gefährliche Toxin (TSST-1) zu bilden.
  • Oberfläche: Die größere Oberfläche der Tasse und das Material können die Biofilmbildung der Bakterien unterstützen.

2. Warum Menstruationstassen kein "Freifahrtschein" sind

Das TSS entsteht nicht durch das Material an sich, sondern durch die Kombination aus:

  1. Vorhandensein des Bakteriums (Staphylococcus aureus) im Körper der Anwenderin.
  2. Lange Tragezeit: Wenn Blut über viele Stunden bei Körpertemperatur in der Scheide verbleibt, dient es als idealer Nährboden für Bakterien.
  3. Sauerstoffzufuhr: Beim Einführen der Tasse gelangt Luft in die Scheide, was die Toxinproduktion anregen kann.

3. Vorteile der Tasse (abseits von TSS)

Obwohl das TSS-Risiko ähnlich ist, hat die Menstruationstasse andere gesundheitliche Vorteile gegenüber Tampons:

  • Kein Austrocknen: Sie entzieht der Scheidenwand keine Feuchtigkeit.
  • Keine Fasern: Es bleiben keine Rückstände (wie bei manchen Tampons) in der Scheide.
  • pH-Wert: Das natürliche Milieu der Scheide wird weniger gestört.

So minimieren Sie das Risiko (egal welches Produkt)

Da TSS eine sehr seltene, aber schwere Erkrankung ist, sollten Sie bei der Nutzung einer Menstruationstasse folgende Regeln beachten:

  • Hände waschen: Vor dem Einsetzen und Herausnehmen gründlich mit Seife waschen.
  • Tragezeit begrenzen: Die Tasse sollte nicht länger als 8 Stunden (maximal 12, je nach Herstellerempfehlung, aber 8 ist sicherer) im Körper bleiben. Viele Experten raten dazu, sie so oft wie einen Tampon zu leeren.
  • Gründliche Reinigung: Zwischen dem Entleeren die Tasse mit Wasser und ggf. einer milden, unparfümierten Seife reinigen.
  • Auskochen: Nach jeder Periode (und am besten vor Beginn der nächsten) muss die Tasse für mindestens 5 bis 10 Minuten in kochendem Wasser sterilisiert werden.
  • Passform: Achten Sie darauf, dass die Tasse nicht zu groß ist und die Schleimhaut nicht verletzt.

Fazit: Die Menstruationstasse ist eine umweltfreundliche und komfortable Alternative zum Tampon, sie schützt jedoch nicht automatisch vor TSS. Die Hygiene und die Tragedauer sind die entscheidenden Faktoren, um das Risiko gering zu halten.

Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Aufklärung und ersetzen keine ärztliche Beratung. Bei Symptomen wie plötzlichem hohen Fieber, Sonnenbrand-ähnlichem Hautausschlag, Schwindel oder Erbrechen während der Periode sollte sofort ein Arzt aufgesucht und das Menstruationsprodukt entfernt werden.