Zerstört die regelmäßige Anwendung von Hygienespray den natürlichen Schutzfilm der Haut?

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Ja, die regelmäßige Anwendung von Hygienesprays (Desinfektionsmitteln) kann den natürlichen Schutzfilm der Haut erheblich stören und bei übermäßigem Gebrauch sogar zerstören.

Hier ist die Erklärung, was dabei genau mit der Haut passiert:

1. Auflösung der Lipidschicht

Der natürliche Schutzfilm der Haut besteht aus einem Gemisch aus Talg, Schweiß und spezifischen Fetten (Lipiden). Diese Lipide halten die Hornzellen der obersten Hautschicht zusammen – wie der Mörtel die Ziegel einer Wand. Hygienesprays basieren meist auf Alkohol (Ethanol oder Isopropanol). Alkohol ist ein hervorragendes Lösungsmittel, nicht nur für Viren und Bakterien, sondern auch für körpereigene Fette. Bei jeder Anwendung wird ein Teil dieser schützenden Fettschicht gelöst und entfernt.

2. Störung des Säureschutzmantels

Die Haut hat einen leicht sauren pH-Wert (ca. 5,5), der das Wachstum von Krankheitserregern hemmt. Häufiges Desinfizieren kann diesen pH-Wert vorübergehend verändern und das chemische Gleichgewicht der Hautoberfläche stören.

3. Beeinträchtigung des Mikrobioms

Auf unserer Haut leben Milliarden nützlicher Bakterien (das Haut-Mikrobiom), die uns vor schädlichen Keimen schützen. Ein Hygienespray unterscheidet nicht zwischen „gut“ und „böse“ – es tötet einen Großteil der natürlichen Flora ab. Wird diese Flora ständig dezimiert, haben es krankmachende Keime oder Pilze paradoxerweise leichter, sich anzusiedeln.

4. Feuchtigkeitsverlust

Wenn die Fettschicht (Barrierefunktion) beschädigt ist, kann die Haut Feuchtigkeit nicht mehr gut speichern. Es kommt zum sogenannten transepidermalen Wasserverlust. Die Folge: Die Haut wird trocken, spröde und rissig.


Die Folgen bei dauerhafter Übernutzung:

  • Austrocknungsekzem: Die Haut rötet sich, juckt und schuppt.
  • Rissbildung: In die feinen Risse können Schmutz und Bakterien tiefer eindringen, was Entzündungen begünstigt.
  • Kontaktallergien: Durch die beschädigte Barriere können Inhaltsstoffe von Kosmetika oder Reinigungsmitteln leichter in die Haut eindringen und Allergien auslösen.

Wie man die Haut schützt:

  1. Waschen statt Desinfizieren: Im privaten Alltag ist gründliches Händewaschen mit einer milden, rückfettenden Seife meist völlig ausreichend und schonender als Desinfektionsspray.
  2. Rückfettende Inhaltsstoffe: Wenn Desinfektion nötig ist, sollten Produkte verwendet werden, die pflegende Zusätze wie Glycerin oder andere Rückfetter enthalten.
  3. Regelmäßiges Eincremen: Um den Verlust der Lipide auszugleichen, ist es wichtig, die Hände regelmäßig mit einer guten Handcreme (idealerweise mit Urea, Ceramiden oder natürlichem Öl) einzupflegen.
  4. Nur bei Bedarf: Verwenden Sie Hygienesprays nur dann, wenn kein Wasser verfügbar ist oder ein erhöhtes Infektionsrisiko besteht (z. B. nach dem ÖPNV oder beim Arztbesuch).

Fazit: Ja, Hygienesprays greifen den Schutzfilm an. Die Haut ist jedoch regenerationsfähig – sofern man ihr durch Pflegepausen und Rückfettung die Chance dazu gibt.

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