Warum trocknet klassischer Rasierschaum die Haut nach der Anwendung häufig aus?
Klassischer Rasierschaum aus der Dose ist zwar praktisch und weit verbreitet, führt aber bei vielen Menschen zu trockener, spannender oder gereizter Haut. Das hat im Wesentlichen vier chemische und physikalische Ursachen:
1. Der alkalische pH-Wert
Unsere Haut hat einen natürlichen Säureschutzmantel mit einem leicht sauren pH-Wert von etwa 5,5. Viele klassische Rasierschäume basieren auf Seifenverbindungen (z. B. Stearinsäure in Kombination mit Triethanolamin), die alkalisch sind (pH-Wert oft zwischen 8 und 10).
- Die Folge: Dieser hohe pH-Wert quillt die oberste Hautschicht auf und bringt den Säureschutzmantel aus dem Gleichgewicht. Die Haut braucht Stunden, um ihren natürlichen Schutz wiederherzustellen, und verliert in dieser Zeit massiv an Feuchtigkeit.
2. Aggressive Tenside (Reinigungssubstanzen)
Damit der Schaum so schön fest und stabil aus der Dose kommt, werden starke Tenside eingesetzt. Diese haben die Aufgabe, die Barthaare einzuweichen und Fett zu lösen.
- Die Folge: Die Tenside unterscheiden nicht zwischen dem Schmutz auf der Haut und den lebenswichtigen Hautlipiden (Fetten). Sie waschen die natürlichen Öle, die die Feuchtigkeit in der Haut halten, einfach weg. Das Ergebnis ist eine „entfettete“ und damit trockene Haut.
3. Treibgase (Butan, Propan, Isobutan)
Damit der Schaum auf Knopfdruck aus der Dose schießt, werden Treibgase verwendet. Wenn diese Gase aus der Dose austreten, verdampfen sie schlagartig.
- Die Folge: Dieser Verdampfungsprozess entzieht der Umgebung Wärme (Verdunstungskälte). Das kann die Haut zusätzlich stressen. Zudem können diese Gase bei empfindlicher Haut Reizungen auslösen und die Hautbarriere schwächen.
4. Hoher Luftanteil und fehlender Schutzfilm
Im Gegensatz zu Rasierölen oder hochwertigen Rasiercremes besteht Dosenschaum zu einem großen Teil aus Luft.
- Die Folge: Luft spendet keine Feuchtigkeit und bietet kaum Gleitschutz. Oft enthalten billige Schäume nur wenig Glyzerin oder rückfettende Öle. Da der Schaum die Hautoberfläche „offen“ legt, verdunstet das in der Haut gespeicherte Wasser während der Rasur schneller (transepidermaler Wasserverlust).
5. Alkohol und Duftstoffe
Viele Standard-Rasierschäume enthalten vergällten Alkohol (Alcohol denat.), um die Haltbarkeit zu gewährleisten oder eine erfrischende Wirkung zu erzielen.
- Die Folge: Alkohol ist einer der bekanntesten Faktoren für das Austrocknen der Haut. Zusammen mit künstlichen Duftstoffen kann dies nach der Rasur zu dem typischen Brennen und Rötungen führen.
Was kann man dagegen tun?
Wenn du unter trockener Haut nach der Rasur leidest, gibt es bessere Alternativen:
- Rasiercreme oder Rasierseife: Diese werden mit einem Pinsel aufgeschlagen. Sie enthalten meist mehr pflegende Fette (z.B. Sheabutter oder Kokosöl) und weniger aggressive Chemie.
- Rasiergel: Gele sind oft feuchtigkeitsspendender als fertiger Schaum, da sie erst auf der Haut aufgeschäumt werden und einen dichteren Schutzfilm bilden.
- Rasieröl: Es bietet den besten Schutz gegen Austrocknung, da es eine direkte Barriere auf der Haut bildet.
- Alkoholfreies Aftershave: Nutze nach der Rasur einen Balsam mit Inhaltsstoffen wie Aloe Vera, Hyaluronsäure oder Panthenol statt eines aggressiven, alkoholhaltigen Rasierwassers.