Woran erkennt man Materialermüdung oder ein zu hohes Alter des Kindersitzes?

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Die Sicherheit eines Kindersitzes hängt maßgeblich vom Zustand des Materials ab. Da Kunststoffe mit der Zeit altern und spröde werden, ist es wichtig, die Anzeichen für Materialermüdung und das Alter des Sitzes zu kennen.

Hier sind die wichtigsten Punkte, woran du Materialermüdung oder ein zu hohes Alter erkennst:

1. Das Herstellungsdatum (Die „Uhren“ im Kunststoff)

Auf fast allen Kindersitzen sind auf der Unterseite oder Rückseite im Kunststoff kleine Kreise eingeprägt, die wie Uhren aussehen:

  • Pfeil in der Mitte: Zeigt auf das Jahr.
  • Zahlen im Kreis: Zeigen auf den Monat oder die Woche.
  • Wichtig: Das ist das Herstellungsdatum, nicht das Verfallsdatum. Die meisten Hersteller empfehlen eine Nutzungsdauer von 5 bis 12 Jahren, je nach Modell (Babyschalen kürzer, Folgesitze länger).

2. Optische Veränderungen am Kunststoff

  • Verfärbungen: Wenn das Plastik hellere Stellen bekommt (Weißbruch) oder durch Sonneneinstrahlung stark ausgebleicht ist, deutet das darauf hin, dass die Weichmacher entwichen sind.
  • Haarrisse: Suche die Hartplastikschale nach feinen Rissen ab. Besonders an Stellen, die stark belastet werden (Gurtführungen, Isofix-Arme).
  • Sprödigkeit: Wenn sich das Material bei Druck nicht mehr leicht biegt, sondern sich „knackig“ oder rau anfühlt, ist es spröde.

3. Zustand des Styropors (EPS/EPP-Einlagen)

Unter dem Stoffbezug befinden sich meist weiße oder schwarze Dämpfungselemente aus Styropor.

  • Risse oder Brüche: Diese Teile brechen sehr leicht. Wenn das Styropor lose ist oder Risse aufweist, kann es bei einem Aufprall keine Energie mehr absorbieren.
  • Krümeln: Wenn das Material bei Berührung zerbröselt, ist es definitiv zu alt.

4. Die Gurtbänder und Verschlüsse

  • Ausfransen: Wenn die Ränder der Gurte ausfransen, verlieren sie an Reißfestigkeit.
  • Steifigkeit: Gurte, die durch verschüttete Säfte oder UV-Licht hart und unbiegsam geworden sind, können im Ernstfall einschneiden oder reißen.
  • Gurtschloss: Es muss hörbar und leicht einrasten. Wenn es klemmt oder Spiel hat, ist die Mechanik ermüdet.

5. Die Prüfnorm (Zulassungsetikett)

Schau auf das orangefarbene ECE-Prüfsiegel (meist am Rand des Sitzes):

  • Aktuell: ECE R129 (i-Size) und ECE R44/04.
  • Veraltet aber noch erlaubt: ECE R44/03.
  • Verboten: Sitze mit den Nummern ECE R44/01 oder 02 dürfen nicht mehr verwendet werden. Sie sind meist über 20 Jahre alt.

6. Die Vorgeschichte (Wichtigster Punkt!)

Materialermüdung ist oft unsichtbar, wenn der Sitz in einen Unfall verwickelt war:

  • Schon ein Aufprall mit 10 km/h kann Haarrisse im Inneren verursachen, die man von außen nicht sieht.
  • Regel: Ein gebrauchter Sitz von Fremden (Flohmarkt, eBay) ist immer ein Risiko, da man nicht weiß, ob er schon einmal belastet wurde.

Faustregeln für die Nutzungsdauer:

Da die Belastung durch Hitze und Kälte im Auto extrem ist, geben Hersteller oft folgende Richtwerte:

  • Babyschalen: ca. 5 bis 7 Jahre (da der Kunststoff dünner ist und oft getragen wird).
  • Kindersitze (Gruppe 1/2/3): ca. 7 bis 10 Jahre.
  • Sitze für ältere Kinder (Sitzerhöhungen): max. 10 bis 12 Jahre.

Fazit: Wenn der Sitz älter als 10 Jahre ist, sichtbare Risse hat oder das Styropor beschädigt ist, sollte er umgehend entsorgt werden. Die Sicherheit des Kindes ist dann nicht mehr gewährleistet, da das Material im Falle eines Unfalls einfach wegbrechen könnte.

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