Wie wird Kalksandstein auf der Baustelle verarbeitet und vermauert?
Die Verarbeitung von Kalksandstein (KS) auf der Baustelle folgt einem präzisen System, da Kalksandsteine sehr maßhaltig sind (besonders als Plansteine). Man unterscheidet heute primär zwischen der klassischen Handvermauerung und dem Bauen mit großformatigen Elementen.
Hier ist eine Schritt-für-Schritt-Anleitung, wie Kalksandstein fachgerecht verarbeitet wird:
1. Vorbereitung und Untergrund
Bevor der erste Stein gesetzt wird, muss der Untergrund (meist die Bodenplatte oder die Decke) sauber und tragfähig sein.
- Abdichtung: Unter der ersten Steinschicht wird eine Bitumenpappe oder eine Dichtschlämme als Horizontalsperre gegen aufsteigende Feuchtigkeit verlegt.
- Kimmschicht (Ausgleichsschicht): Die erste Schicht ist die wichtigste. Sie wird in einem dicken Bett aus Normalmörtel (Mörtelgruppe III) gesetzt, um Unebenheiten im Boden perfekt auszugleichen. Hierfür nutzt man Nivelliergeräte oder Laser. Die Steine der ersten Schicht müssen absolut waagerecht und fluchtgerecht liegen.
2. Die Vermauerungstechniken
Man unterscheidet zwei Hauptverfahren:
A. Dünnbettverfahren (Standard bei Plansteinen)
Dies ist heute die gängigste Methode. Plansteine haben eine sehr geringe Höhentoleranz (+/- 1 mm).
- Mörtel: Es wird spezieller Dünnbettmörtel verwendet.
- Auftrag: Der Mörtel wird mit einem Mörtelschlitten oder einer Zahnkelle ca. 1–3 mm dick aufgetragen.
- Vorteil: Nahezu fugenlose Optik, bessere Wärmedämmung (weniger Kältebrücken) und sehr hoher Arbeitsfortschritt.
- Stoßfugen: Meist besitzen KS-Plansteine eine Nut-Feder-Systematik an den Stirnseiten. Diese werden trocken (ohne Mörtel) zusammengestoßen. Nur bei speziellen Anforderungen (z. B. Schallschutz oder Brandschutz bei großen Lasten) werden die Stoßfugen vermörtelt.
B. Normalbettverfahren
Wird heute fast nur noch bei kleinteiligen Formaten oder im Sichtmauerwerk verwendet.
- Mörtel: Normalmörtel (MG IIa oder III).
- Fugen: Die Lagerfuge ist ca. 12 mm dick, die Stoßfuge ca. 10 mm.
3. Das Überbindemaß (Wichtigste Regel)
Steine dürfen niemals direkt senkrecht übereinanderstehende Fugen haben.
- Die vertikalen Fugen müssen versetzt sein, um die Lastverteilung zu gewährleisten.
- Das Überbindemaß ($l_{ol}$) muss bei Kalksandstein in der Regel mindestens 0,4 x Steinlänge oder mindestens 4,5 cm betragen (der größere Wert zählt).
4. Verarbeitung von Großformaten (KS-XL)
In der modernen Bauwirtschaft werden oft KS-Elemente verwendet, die so schwer sind, dass sie mit einem Versetzkran (Minikran) bewegt werden müssen.
- Ein Verlegeplan gibt genau vor, welcher Stein an welche Stelle kommt (Passsteine werden oft werkseitig zugeschnitten geliefert).
- Dies spart massiv Zeit und schont die Gesundheit der Maurer.
5. Wandanschlüsse und Stumpfstoßtechnik
Früher wurden Wände mühsam „eingezahnt“. Heute nutzt man meist die Stumpfstoßtechnik:
- Die tragende Außenwand wird durchgemauert.
- Die Innenwand wird stumpf gegen die Außenwand gesetzt.
- Die Verbindung erfolgt über Edelstahl-Flachanker, die in die Lagerfugen beider Wände eingelegt werden. Dies verbessert den Schallschutz und verhindert Risse.
6. Schneiden und Bearbeiten
Kalksandstein ist ein sehr hartes Material.
- Werkzeug: Zum Schneiden verwendet man auf der Baustelle große Nassschneidetische mit Diamantsägeblättern oder spezielle Bandsägen.
- Schlitze: Für Elektroinstallationen werden Mauernutfräsen verwendet. Da KS sehr stabil ist, können Schlitze präzise gezogen werden, ohne dass die Wand instabil wird (statische Grenzwerte beachten!).
7. Nachbehandlung und Schutz
- Witterung: Kalksandstein ist saugfähig. Frisch gemauertes Werk muss bei Regen abgedeckt werden, damit es nicht „absäuft“.
- Frost: Bei Temperaturen unter +5 °C darf nur mit speziellen Zusätzen oder nach Rücksprache mit dem Mörtelhersteller gearbeitet werden. Bei Frost ist das Mauern einzustellen.
Zusammenfassung der Vorteile bei der Verarbeitung:
- Hohe Passgenauigkeit: Schnelles Arbeiten durch Plansteine.
- Schallschutz: Durch die hohe Rohdichte bietet KS exzellenten Schallschutz schon bei geringen Wandstärken.
- Brandschutz: KS ist nicht brennbar (Klasse A1).
Profi-Tipp: Achten Sie beim Dünnbettverfahren immer darauf, dass die Steine staubfrei sind (ggf. kurz abfegen), damit der Kleber optimal haftet!