Wie entstehen optisch störende Ausblühungen auf ungeschütztem Kalksandstein-Sichtmauerwerk?

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Optisch störende Ausblühungen auf Kalksandstein-Sichtmauerwerk entstehen durch ein Zusammenspiel von Feuchtigkeit, löslichen Salzen und dem kapillaren Gefüge des Steins bzw. des Mörtels.

Hier ist der Prozess detailliert erklärt:

1. Die physikalischen Voraussetzungen

Damit Ausblühungen entstehen können, müssen drei Faktoren gleichzeitig vorhanden sein:

  1. Wasserlösliche Salze (im Stein, im Mörtel oder von außen eingetragen).
  2. Feuchtigkeit, die diese Salze löst und transportiert.
  3. Ein kapillares Porensystem, durch das die gelösten Stoffe an die Oberfläche wandern können.

2. Die Hauptursachen und Quellen

A. Der Mörtel als Hauptquelle (Häufigster Grund)

Bei Kalksandstein-Sichtmauerwerk ist oft nicht der Stein selbst, sondern der Mauermörtel die Ursache.

  • Alkali-Sulfate: Zementhaltige Mörtel enthalten oft Natrium- oder Kaliumverbindungen. Wenn diese mit Wasser in Kontakt kommen, bilden sich lösliche Sulfate.
  • Kalkhydrat: Im Mörtel enthaltenes Calciumhydroxid ($Ca(OH)_2$) kann durch Wasser gelöst und an die Steinoberfläche transportiert werden.

B. Der Stein selbst

Kalksandstein besteht aus Sand, Kalk und Wasser, die unter Dampfdruck gehärtet werden. Er ist von Natur aus recht salzarm. Dennoch können produktionsbedingt geringe Mengen an löslichen Salzen enthalten sein, die bei starker Durchfeuchtung austreten.

C. Äußere Einflüsse

  • Aufsteigende Feuchtigkeit: Wenn die Horizontalsperre fehlt oder beschädigt ist, transportiert Wasser Salze aus dem Erdreich in das Mauerwerk.
  • Tausalze: Im Winter kann Spritzwasser von Straßen Salze in den unteren Bereich der Fassade einbringen.
  • Atmosphärische Einflüsse: Luftschadstoffe können mit Bestandteilen des Mauerwerks reagieren und neue Salze bilden.

3. Der chemische Vorgang (Karbonatisierung)

Besonders häufig sind die sogenannten Kalkausblühungen (Kalkschleier). Der Prozess läuft so ab:

  1. Wasser dringt in die Fugen oder den Stein ein.
  2. Es löst Calciumhydroxid ($Ca(OH)_2$) aus dem Mörtel.
  3. Die Lösung wandert durch die Kapillaren an die Oberfläche des Sichtmauerwerks.
  4. Dort verdunstet das Wasser, und das zurückbleibende Calciumhydroxid reagiert mit dem Kohlendioxid ($CO_2$) der Luft.
  5. Es bildet sich Calciumcarbonat ($CaCO_3$), ein weißer, schwer wasserlöslicher Belag.

4. Warum "ungeschütztes" Mauerwerk besonders betroffen ist

Der Zusatz "ungeschützt" in Ihrer Frage ist entscheidend:

  • Fehlender konstruktiver Schutz: Wenn Dachüberstände, Abdeckungen oder Fensterbänke fehlen, ist das Mauerwerk direktem Schlagregen ausgesetzt. Je mehr Wasser eindringt, desto mehr Salze können gelöst werden.
  • Fehlende Hydrophobierung: Ungeschützter Kalksandstein ist saugfähig. Ohne eine wasserabweisende Imprägnierung (Hydrophobierung) zieht Feuchtigkeit tief in das Material ein und fördert den Kapillartransport der Salze nach außen beim Abtrocknen.
  • Baufeuchte: Während der Bauphase ist das Mauerwerk oft ungeschützt vor Regen. Wenn der Stein "absäuft", werden die Ausblühungen meist direkt nach dem ersten Austrocknen sichtbar.

Zusammenfassung des Vorgangs

Wenn das Mauerwerk nass wird, lösen sich Salze im Inneren. Beim anschließenden Trocknen wandert das Wasser an die Oberfläche, wo es verdunstet. Die Salze können nicht verdunsten; sie bleiben an der Oberfläche zurück und kristallisieren aus. Dies führt zu den typischen weißen Flecken, Rändern oder Krusten, die auf dem hellen Kalksandstein besonders auffallen.

Hinweis: Echte Salzausblühungen (Sulfate/Nitrate) sind oft pulverig und lassen sich trocken abbürsten. Kalkausblühungen (Calciumcarbonat) sind fest mit der Oberfläche verbunden und müssen meist mit sauren Reinigungsmitteln vorsichtig entfernt werden.

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