Warum muss Kalksandstein im Außenbereich zwingend durch Putz oder Verblendungen vor Schlagregen geschützt werden?
Kalksandstein (KS) ist ein bewährter Baustoff mit hervorragenden statischen Eigenschaften und gutem Schallschutz. Er hat jedoch eine spezifische Eigenschaft, die im Außenbereich Schutzmaßnahmen zwingend erforderlich macht: seine kapillare Struktur und das Saugverhalten.
Hier sind die Hauptgründe, warum Kalksandstein vor Schlagregen geschützt werden muss:
1. Frostschäden (Hauptgrund)
Kalksandstein ist zwar ein sehr fester Stein, besitzt aber eine ausgeprägte Porenstruktur. Wenn Schlagregen direkt auf das ungeschützte Mauerwerk trifft, saugt der Stein das Wasser kapillar auf.
- Das Problem: Wenn dieser wassergesättigte Stein im Winter Frost ausgesetzt ist, dehnt sich das gefrierende Wasser in den Poren aus (Eisdruck).
- Die Folge: Es kommt zu Abplatzungen an der Oberfläche, Rissen und einer schrittweisen Zerstörung des Materialgefüges.
2. Verschlechterung der Wärmedämmung
Ein feuchter Baustoff leitet Wärme deutlich besser als ein trockener.
- Das Problem: Wenn die Kalksandsteinwand durch Regen durchfeuchtet, sinkt ihr ohnehin schon moderater Wärmedämmwert drastisch ab.
- Die Folge: Die Heizkosten steigen, und die Innenoberflächen der Wände werden kälter, was das Risiko von Kondenswasserbildung und Schimmel im Innenraum erhöht.
3. Feuchtigkeitstransport in den Innenraum
Kalksandstein ist sehr "diffusionsoffen", kann aber bei starker, dauerhafter Belastung durch Schlagregen das Wasser bis nach innen leiten.
- Das Problem: Ohne Schutzschicht kann Feuchtigkeit durch das gesamte Mauerwerk wandern.
- Die Folge: Feuchte Flecken an den Innenwänden, Ablösen von Tapeten und Schimmelbildung gefährden die Wohnhygiene und die Gesundheit der Bewohner.
4. Optische Beeinträchtigungen und Algenbildung
Dauerhaft feuchtes Mauerwerk ist ein idealer Nährboden für Mikroorganismen.
- Das Problem: Unverputzter Kalksandstein neigt bei Feuchtigkeit zu unschönen Ausblühungen (Salzkristalle, die an die Oberfläche transportiert werden) sowie zur Ansiedlung von Algen, Moosen und Flechten.
- Die Folge: Das Gebäude sieht ungepflegt aus und die Oberfläche wird durch die organische Belastung langfristig angegriffen.
5. Korrosion von Einbauteilen
In modernem Mauerwerk befinden sich oft metallische Bauteile (z. B. Maueranker bei zweischaligem Mauerwerk oder Sturzarmierungen).
- Das Problem: Dringt Feuchtigkeit tief in den Stein ein, kann dies die Korrosion (Rost) dieser Metalle beschleunigen, was die statische Sicherheit beeinträchtigen kann.
Zusammenfassung der Schutzarten:
Um diese Probleme zu vermeiden, schreibt die DIN-Norm (insbesondere DIN 1053 bzw. der Eurocode 6) vor, dass Kalksandstein-Hintermauerwerk durch eine wasserabweisende Schicht geschützt werden muss:
- Außenputz: Ein mehrlagiges Putzsystem dient als "Opferschicht" und Wasserbarriere.
- Verblendmauerwerk (Zweischaliges Bauen): Eine vorgesetzte Schicht aus Klinkern oder speziellen KS-Verblendern (die frostwiderstandsfähiger produziert sind) schützt die tragende Wand.
- Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF): Eine Verkleidung aus Holz, Metall oder Faserzement führt das Regenwasser direkt ab.
Hinweis: Es gibt spezielle KS-Verblender, die für den Sichtbereich im Freien zugelassen sind. Diese sind dichter gepresst und frostbeständig zertifiziert. Aber auch hier müssen die Fugen fachgerecht ausgeführt sein, damit kein Wasser hinter die Fassade gelangt. Standard-KS (Hintermauerstein) darf niemals ohne Schutz der Witterung ausgesetzt bleiben.