Warum nutzen viele Hühner in Freilandhaltung den ihnen zur Verfügung stehenden Außenbereich nur unzureichend?

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Dass Hühner in Freilandhaltung oft nur den Bereich direkt am Stall nutzen und weite Teile der Fläche meiden, ist ein bekanntes Phänomen in der Geflügelhaltung. Dieses Verhalten hat meist keine einzelne Ursache, sondern ist eine Kombination aus biologischen Instinkten, Umweltfaktoren und der Gestaltung des Auslaufs.

Hier sind die Hauptgründe:

1. Die Herkunft (Das „Waldtier“-Erbe)

Das Haushuhn stammt vom südostasiatischen Bankivahuhn ab. Dieses lebt im Dschungel und in Waldrandgebieten. Evolutionär betrachtet sind Hühner also an schützendes Unterholz und Bäume angepasst. Eine offene, strukturlose Wiese entspricht absolut nicht ihrem natürlichen Lebensraum. Auf freien Flächen fühlen sie sich schutzlos und gestresst.

2. Angst vor Fressfeinden (Prädatoren)

Dies ist der wichtigste Sicherheitsaspekt. Hühner haben eine instinktive Angst vor Angriffen aus der Luft (Habichte, Bussarde) und vom Boden (Füchse).

  • Offene Flächen: Eine grüne Wiese bietet keinerlei Deckung. Für ein Huhn ist der Aufenthalt dort lebensgefährlich.
  • Schutzinstinkt: Sie bleiben lieber in der Nähe des Stalls, der ihnen als sicherer Rückzugsort dient. Je weiter sie sich entfernen, desto größer wird der gefühlte Stress.

3. Fehlende Strukturierung im Auslauf

Hühner nutzen Flächen nur dann ausgiebig, wenn sie „Etappenziele“ haben. Wenn ein Auslauf lediglich eine große, leere Rasenfläche ist, werden nur die mutigsten Tiere (oft die ranghöheren) weite Strecken zurücklegen.

  • Fehlende Deckung: Ohne Büsche, Bäume, Unterstände oder Hecken fehlt der optische Schutz.
  • Schatten: Hühner leiden schnell unter Hitze. Auf freien Flächen gibt es oft keinen Schatten, weshalb sie an sonnigen Tagen im Stall oder direkt an der Stallwand bleiben.

4. Die „Stallbindung“ und soziale Faktoren

  • Zentrum des Lebens: Im Stall befinden sich Futter, Wasser und die Legenester. Da Hühner Gewohnheitstiere sind, bleibt der Stall ihr Lebensmittelpunkt (Central Place Foraging).
  • Hahnen-Einfluss: In kleineren Gruppen führt ein guter Hahn seine Hennen nach draußen. In der industriellen Freilandhaltung fehlen oft Hähne oder das Verhältnis Hahn-Henne stimmt nicht, sodass der Anreiz zur Erkundung geringer ist.
  • Soziale Barrieren: Manchmal besetzen dominante Tiere den Bereich direkt vor den Auslaufklappen. Rangniedrigere Tiere trauen sich dann gar nicht erst nach draußen oder bleiben in den Randbereichen des Stalls.

5. Erfahrungen in der Aufzucht

Hühner müssen lernen, den Auslauf zu nutzen. Wenn die Tiere in der Aufzuchtphase (als Junghennen) keinen Zugang zu einem Außenbereich hatten, sind sie später oft ängstlicher. Sie kennen die Reize (Wind, Sonne, Geräusche) nicht und bleiben lieber in der vertrauten Umgebung des Stalls.

6. Witterung

Hühner sind sehr wählerisch, was das Wetter angeht. Sie mögen weder starken Wind noch Regen oder pralle Sonne. Da Außenbereiche oft nicht gegen diese Elemente geschützt sind, bleiben die Tiere bei „schlechtem“ Wetter lieber drinnen.


Wie kann man die Nutzung verbessern?

Um die Hühner dazu zu bewegen, die gesamte Fläche zu nutzen, müssen Landwirte den Auslauf attraktiver gestalten:

  • Pflanzungen: Obstbäume, Beerensträucher oder schnell wachsende Pflanzen wie Miscanthus (Elefantengras) bieten Schutz.
  • Künstliche Strukturen: Unterstände, alte Anhänger, „A-Reiter“ aus Holz oder einfache Sonnensegel dienen als künstliche Deckung.
  • Strukturierte Wege: Wenn man „Korridore“ aus Hecken oder Zäunen schafft, trauen sich die Tiere weiter vom Stall weg.
  • Tränken im Außenbereich: Auch Wasserstellen in einiger Entfernung zum Stall können ein Anreiz sein (wobei man hier wegen der Biosicherheit/Wildvögel vorsichtig sein muss).

Fazit: Ein Huhn nutzt den Auslauf nur dann, wenn es sich dort sicher fühlt. Eine kahle Wiese ist für ein Huhn kein Paradies, sondern eine Gefahrenzone.

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