Muss der Putz vor dem Anbringen einer Vliestapete zwingend mit Tiefgrund vorbehandelt werden?

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Die kurze Antwort lautet: In den allermeisten Fällen ja.

Es ist zwar kein physikalisches Gesetz, aber für ein fachgerechtes und langlebiges Ergebnis ist die Vorbehandlung mit Tiefgrund (oder einem speziellen Tapetengrund) bei Putz fast immer notwendig.

Hier sind die wichtigsten Gründe, warum man bei Vliestapeten auf Putz nicht darauf verzichten sollte:

1. Regulierung der Saugfähigkeit

Putz ist von Natur aus sehr saugfähig. Wenn Sie den Kleister direkt auf den ungrundierten Putz auftragen, passiert Folgendes: Der Putz saugt das Wasser aus dem Kleister wie ein Schwamm auf. Der Kleister trocknet zu schnell aus, bevor er eine Verbindung mit der Tapete eingehen kann. Die Folge: Die Tapete haftet nicht richtig oder löst sich an den Kanten ab. Tiefgrund sättigt den Untergrund und sorgt für eine gleichmäßige Trocknung.

2. Festigung des Untergrunds

Putz kann leicht sanden oder kreiden. Tiefgrund dringt tief in die Poren ein und verfestigt die Oberfläche. Ohne Grundierung kleben Sie die Tapete quasi auf losen Staub – die Tapete hält dann nur so gut wie die oberste Staubschicht auf dem Putz.

3. Spätere Ablösbarkeit (Wichtig bei Vliestapeten!)

Einer der größten Vorteile von Vliestapeten ist, dass man sie später meist „trocken abziehbar“ wieder entfernen kann. Das funktioniert aber nur, wenn der Untergrund vorher grundiert wurde. Ohne Tiefgrund verbindet sich der Kleister so stark mit dem offenporigen Putz, dass Sie die Tapete später nur noch mühsam in kleinen Fetzen (oder samt Putzschicht) von der Wand kratzen können.

4. Durchscheinen des Untergrunds

Vliestapeten sind oft etwas transparenter als Papiertapeten. Wenn der Putz Farbunterschiede aufweist (z. B. Spachtelstellen), können diese durch die Tapete hindurchschimmern.

  • Tipp: Wenn Sie eine helle Vliestapete verwenden, empfiehlt sich statt farblosem Tiefgrund ein weiß pigmentierter Tapetengrund. Dieser kombiniert die festigende Wirkung des Tiefgrunds mit einer optischen Grundierung.

Wann könnte man darauf verzichten?

Nur wenn der Untergrund bereits perfekt vorbereitet ist, also:

  • Bereits fachgerecht grundiert wurde.
  • Eine absolut gleichmäßige, nicht saugende und tragfähige Altbeschichtung (z.B. Dispersionsfarbe) aufweist (wobei auch hier Vorsicht geboten ist).

So testen Sie Ihren Putz:

  1. Wischtest: Fahren Sie mit der Hand über den Putz. Haben Sie einen weißen Schleier an der Hand? -> Grundieren!
  2. Benetzungstest: Spritzen Sie etwas Wasser an die Wand. Wird es sofort aufgesogen und der Putz wird dunkel? -> Grundieren!

Fazit: Sparen Sie nicht am Tiefgrund. Der Zeit- und Kostenaufwand ist minimal im Vergleich zum Ärger, wenn die teure Vliestapete nicht hält oder Flecken bekommt.

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