Wie wird Flüssigseife industriell hergestellt?

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Die industrielle Herstellung von Flüssigseife unterscheidet sich heute meist grundlegend von der traditionellen Seifensiederei. Man muss hierbei zwischen zwei Arten von "Flüssigseife" unterscheiden:

  1. Echte Flüssigseife (auf Basis von verseiften Pflanzenölen).
  2. Moderne Flüssigwaschlotionen (Syndets) (auf Basis synthetischer Tenside – dies ist das Standardprodukt im Supermarkt).

Hier ist der industrielle Prozess für beide Varianten erklärt:


1. Die klassische Herstellung (Verseifung)

Dieser Prozess ähnelt der Herstellung von fester Seife, verwendet aber Kalilauge (Kaliumhydroxid) statt Natronlauge, da Kaliumsalze der Fettsäuren bei Raumtemperatur flüssig bleiben oder weicher sind.

  • Schritt 1: Dosierung & Mischen: Große Mengen pflanzlicher Öle (z. B. Kokosöl, Olivenöl) werden in riesige Edelstahltanks (Reaktoren) gepumpt und erhitzt.
  • Schritt 2: Verseifung: Kalilauge wird hinzugefügt. Unter ständigem Rühren und Hitze findet die chemische Reaktion statt: Fett + Kalilauge → Glycerin + Kaliumseife.
  • Schritt 3: Neutralisation: Da die Mischung nach der Reaktion oft zu alkalisch ist, wird sie mit Säuren (z. B. Zitronensäure) neutralisiert, um den gewünschten pH-Wert zu erreichen.
  • Schritt 4: Zugabe von Wasser und Wirkstoffen: Die konzentrierte Seifenpaste wird mit Wasser verdünnt, um die richtige Fließfähigkeit zu erhalten. Dann werden Farbstoffe, Duftstoffe und Konservierungsmittel hinzugefügt.

2. Die moderne Herstellung (Tensid-Mischung)

Die meisten handelsüblichen Flüssigseifen sind eigentlich "flüssige Reinigungsmittel" (Syndets). Sie bestehen aus einer Mischung von Wasser und synthetischen waschaktiven Substanzen.

Der Prozess:

A. Vorbereitung der Wasserphase In einem sterilen Mischtank wird entmineralisiertes Wasser vorgelegt. Wasser bildet die Basis (oft 70–80 % des Produkts).

B. Zugabe der Tenside Tenside (z. B. Sodium Laureth Sulfate) werden eingerührt. Diese sind dafür verantwortlich, Schmutz und Fett zu lösen und Schaum zu bilden. In der Industrie werden oft verschiedene Tenside kombiniert, um die Hautverträglichkeit zu verbessern.

C. Zugabe von Pflegestoffen und Hilfsmitteln

  • Rückfetter: Damit die Haut nicht austrocknet, gibt man Substanzen wie Glycerin, Lanolin oder pflanzliche Öle hinzu.
  • pH-Wert-Regulatoren: Die Mischung wird meist auf einen pH-Wert von ca. 5,5 (hautneutral) eingestellt, oft mit Zitronensäure.
  • Konservierungsmittel: Da Flüssigseife viel Wasser enthält, ist sie anfällig für Keime. Konservierungsstoffe machen sie haltbar.
  • Duft- und Farbstoffe: Diese werden am Ende hinzugefügt, da sie oft hitzeempfindlich sind.

D. Einstellung der Viskosität (Andicken) Die Mischung ist anfangs oft so dünnflüssig wie Wasser. Um die typische "Gelkonsistenz" zu erhalten, wird meist gewöhnliches Salz (Natriumchlorid) oder ein spezieller Verdicker hinzugefügt. Das Salz bewirkt, dass sich die Tensid-Moleküle enger zusammenschließen und die Flüssigkeit zähflüssiger wird.


3. Abfüllung und Qualitätskontrolle

Bevor die Seife in Flaschen kommt, finden strenge Kontrollen statt:

  • Viskositätstest: Ist die Seife zu dick oder zu dünn?
  • Mikrobiologie: Ist das Produkt keimfrei?
  • pH-Wert-Messung: Ist sie sicher für die Haut?

Die fertige Seife wird dann über Hochgeschwindigkeits-Abfüllanlagen in Flaschen gefüllt, etikettiert und verpackt.

Zusammenfassung der Unterschiede

Merkmal Klassische Flüssigseife Moderne Waschlotion (Syndet)
Basis Natürliche Fette/Öle Synthetische Tenside (meist aus Erdöl oder Palmöl)
Lauge Kalilauge Keine Lauge nötig
pH-Wert Alkalisch (pH 8–10) Hautneutral einstellbar (pH 5,5)
Vorteil Natürlich, biologisch abbaubar Sehr hautschonend, preiswert
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