Warum trocknet Stückseife die Haut oft stärker aus als Flüssigseife?

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Dass Stückseife (feste Seife) die Haut oft stärker austrocknet als Flüssigseife, liegt vor allem an der chemischen Zusammensetzung und dem daraus resultierenden pH-Wert.

Hier sind die Hauptgründe im Detail:

1. Der pH-Wert (Der wichtigste Faktor)

Unsere Haut hat einen natürlichen Säureschutzmantel mit einem leicht sauren pH-Wert von etwa 5,5.

  • Stückseife: Echte Seife wird durch Verseifung von Fetten mit einer Lauge (meist Natronlauge) hergestellt. Das Endprodukt ist chemisch gesehen immer alkalisch (basisch), meist mit einem pH-Wert zwischen 9 und 11. Wenn man sich damit wäscht, wird der Säureschutzmantel der Haut kurzzeitig neutralisiert oder sogar in den basischen Bereich verschoben. Die Haut braucht Stunden, um diesen Schutzfilm wieder aufzubauen, und verliert in dieser Zeit verstärkt Feuchtigkeit.
  • Flüssigseife: Die meisten Flüssigseifen sind im chemischen Sinne gar keine "Seifen", sondern flüssige Reinigungsmittel (Syndets). Ihr pH-Wert kann bei der Herstellung künstlich auf 5,5 eingestellt werden, was dem der Haut entspricht ("pH-hautneutral"). Dadurch wird der Schutzmantel weniger angegriffen.

2. Die Entziehung von Lipiden (Fetten)

Seifenmoleküle sind sehr effektiv darin, Fett zu lösen. Bei der Reinigung mit alkalischer Stückseife werden nicht nur Schmutz und überschüssiger Talg entfernt, sondern auch die hauteigenen Lipide (Fette), die die Hornschicht zusammenhalten. Da der hohe pH-Wert die Struktur der Proteine in der obersten Hautschicht leicht aufquillt, können diese schützenden Fette noch leichter ausgewaschen werden. Die Haut wird durchlässiger für Wasserverdunstung und trocknet aus.

3. Der Glycerin-Faktor

Bei der traditionellen Seifenherstellung entsteht als Nebenprodukt Glycerin, das eigentlich feuchtigkeitsspendend wirkt.

  • In der industriellen Herstellung von billigen Stückseifen wird das Glycerin oft entzogen, um es separat in teureren Cremes oder Lotionen zu verkaufen. Übrig bleibt eine sehr "scharfe" Seife.
  • Flüssigseifen werden oft gezielt rückfettende Substanzen oder Feuchthaltemittel zugesetzt, um das Hautgefühl nach dem Waschen zu verbessern.

4. Die Ausnahme: "Rückfettende" Naturseifen

Es ist wichtig zu unterscheiden: Nicht jede Stückseife ist schlecht.

  • Handgesiedete Naturseifen sind oft "überfettet". Das bedeutet, bei der Herstellung wurde mehr Öl verwendet, als die Lauge umwandeln konnte. Diese freien Öle verbleiben in der Seife und pflegen die Haut direkt beim Waschen.
  • Syndets in Stückform: Es gibt auch "feste Waschstücke" (z. B. von Marken wie Sebamed oder Dove), die aussehen wie Seife, aber chemisch gesehen Syndets sind und einen neutralen pH-Wert haben. Diese trocknen die Haut deutlich weniger aus als klassische Kernseife.

Zusammenfassung

Stückseife trocknet meist deshalb stärker aus, weil ihre Alkalität den natürlichen Säureschutzmantel der Haut stört und die Hautbarriere schwächt. Flüssigseifen (Syndets) sind meist besser an den natürlichen pH-Wert der Haut angepasst.

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