Wie wird das sogenannte "Submarining" (Untertauchen unter dem Gurt) bei der Nutzung von Sitzerhöhungen verhindert?
Das sogenannte „Submarining“ (Untertauchen) ist eine der größten Gefahren bei der Nutzung von Kindersitzen, insbesondere bei Sitzerhöhungen. Dabei rutscht das Kind bei einem Frontalaufprall unter dem Beckengurt hindurch. Der Gurt rutscht dann vom stabilen Beckenknochen hoch in den weichen Bauchraum und kann lebensgefährliche Verletzungen an inneren Organen und der Wirbelsäule verursachen.
Hersteller verhindern dies durch eine Kombination aus konstruktiven Merkmalen und korrekter Handhabung:
1. Die Gurtführungen („Hörner“)
Das wichtigste Merkmal einfacher Sitzerhöhungen sind die seitlichen Führungen, oft „Hörner“ genannt.
- Funktion: Sie halten den Beckengurt tief über den Oberschenkelansatz und die Beckenknochen.
- Wirkung: Durch die Führung kann der Gurt beim Aufprall nicht nach oben in den Bauchraum rutschen, da er physisch durch die Hörner unten gehalten wird.
2. Sitzerhöhungen mit Rückenlehne (Highback Booster)
Experten raten dringend zu Sitzerhöhungen mit Rückenlehne statt einfacher „Sitzkissen“.
- Optimale Gurtgeometrie: Die Rückenlehne verfügt über eine Schultergurtführung, die den Gurt immer exakt über die Schulter leitet. Dies hält den gesamten Oberkörper aufrechter. Wenn der Oberkörper stabil bleibt, ist die Gefahr geringer, dass das Becken nach vorne unten wegtaucht.
- Festerer Sitz: Die Rückenlehne stabilisiert das Kind im Sitz und verhindert ein Zusammensacken (z. B. beim Schlafen), was eine Hauptursache für Submarining ist.
3. Spezielle „vierte Fixpunkte“ (z. B. SecureGuard)
Einige Hersteller (bekanntestes Beispiel ist Britax Römer mit dem SecureGuard) haben einen zusätzlichen Kontaktpunkt eingeführt.
- Funktion: Ein kleiner Haken zwischen den Beinen, durch den der Beckengurt gefädelt wird.
- Wirkung: Dieser vierte Punkt hält den Beckengurt auch bei massiven Kräften aktiv unten auf den Beckenknochen und reduziert die auf den Bauchraum wirkenden Kräfte bei einem Frontalaufprall um bis zu 35 %.
4. ISOFIX-Anbindung
Sitzerhöhungen mit ISOFIX-Rastarmen sind fest mit der Fahrzeugkarosserie verbunden.
- Wirkung: Bei einem Unfall muss der Fahrzeuggurt nur das Gewicht des Kindes halten und nicht zusätzlich das Gewicht des Sitzes, der nach vorne drückt. Dies stabilisiert die gesamte Sitzposition und verringert das Risiko, dass der Sitz unter dem Kind wegrutscht.
5. Formgebung der Sitzfläche (Anti-Submarining-Rampe)
Die Sitzflächen hochwertiger Sitzerhöhungen sind oft keilförmig oder steigen nach vorne hin leicht an.
- Wirkung: Diese Geometrie wirkt wie eine Barriere für das Gesäß. Das Kind müsste bei einem Aufprall „bergauf“ rutschen, was den Widerstand erhöht und das Untertauchen erschwert.
6. Die Rolle der Kleidung (Wichtiger Nutzer-Faktor)
Keine technische Vorrichtung hilft, wenn der Gurt nicht eng am Körper anliegt.
- Problem dicke Winterjacken: Eine dicke Jacke schafft „Gurtlose“ (Abstand zwischen Gurt und Körper). Im Falle eines Aufpralls wird die Wattierung komprimiert, der Gurt ist locker, und das Kind gewinnt an Schwung – das Submarining-Risiko steigt massiv.
- Lösung: Die Jacke muss ausgezogen oder über den Gurt geöffnet werden, damit der Beckengurt direkt auf den Knochen aufliegt.
Zusammenfassung
Um Submarining zu verhindern, sollte man:
- Eine Sitzerhöhung mit Rückenlehne bevorzugen.
- Sicherstellen, dass der Beckengurt unter den Hörnern verläuft.
- Den Gurt straff ziehen.
- Auf dicke Winterkleidung verzichten.
- Idealweise Sitze mit Zusatzsicherungen (wie dem vierten Fixpunkt) wählen.