Welche Nachteile haben Sitzerhöhungen aus Styropor gegenüber Modellen aus stabilem Kunststoff?
Sitzerhöhungen aus Styropor (EPS) sind meist die günstigste Variante auf dem Markt. Im Vergleich zu Modellen aus stabilem Hartkunststoff (meist HDPE) weisen sie jedoch erhebliche Nachteile in Bezug auf Sicherheit, Haltbarkeit und Komfort auf.
Hier sind die wichtigsten Nachteile im Detail:
1. Geringere Stabilität und Bruchgefahr
Styropor ist ein sprödes Material. Bei einem Unfall oder auch schon durch unsachgemäße Behandlung (z. B. wenn die Sitzerhöhung im Kofferraum unter schweres Gepäck gerät oder herunterfällt) kann das Material brechen oder Haarrisse bekommen.
- Das Problem: Ein gebrochener Styroporkern kann die Aufprallenergie nicht mehr wie vorgesehen absorbieren und bietet im Ernstfall keinen Schutz mehr.
- Kunststoffmodelle hingegen sind elastischer und gleichzeitig massiver, wodurch sie deutlich belastbarer sind.
2. Fehlende oder schwache Gurtführung
Sitzerhöhungen aus Styropor verfügen oft nur über sehr rudimentäre „Hörnchen“ (die seitlichen Führungen für den Beckengurt).
- Sicherheitsrisiko: Diese Hörnchen aus Styropor können bei einem Aufprall leicht abbrechen. Wenn das passiert, rutscht der Beckengurt in den weichen Bauchraum des Kindes (das sogenannte „Submarining“), was zu schweren inneren Verletzungen führen kann.
- Modelle aus Kunststoff haben meist stabilere Gurtführungen, die den Gurt sicher über den Beckenknochen halten.
3. Mangelnde Befestigung (ISOFIX)
Die meisten reinen Styropor-Sitzerhöhungen werden lediglich lose auf den Autositz gelegt und nur durch das Gewicht des Kindes und den Dreipunktgurt gehalten.
- Gefahr bei Leerfahrten: Wenn kein Kind mitfährt und die Sitzerhöhung nicht angeschnallt ist, wird sie bei einer Bremsung zum gefährlichen Wurfgeschoss.
- Hochwertige Kunststoff-Sitzerhöhungen verfügen oft über ISOFIX-Konnektoren, die den Sitz fest mit der Fahrzeugkarosserie verbinden. Das erhöht die Stabilität bei Kurvenfahrten und die Sicherheit bei einem Aufprall.
4. Schneller Verschleiß (Materialermüdung)
Styropor nutzt sich durch Reibung und Druck schneller ab.
- Mit der Zeit krümelt das Material, oder die Bezüge scheuern den weichen Kern auf.
- Durch Hitzeeinwirkung im Sommer und Kälte im Winter wird Styropor mit den Jahren spröder als hochwertiger Kunststoff.
5. Geringerer Komfort und Ergonomie
Sitzerhöhungen aus Styropor sind meist sehr leicht und verrutschen beim Ein- und Aussteigen ständig.
- Sitzkomfort: Da das Material kaum nachgibt und oft nur mit einem sehr dünnen Stoff überzogen ist, ist das Sitzen auf längeren Fahrten für Kinder unbequem.
- Kunststoffmodelle sind oft ergonomischer geformt und besser gepolstert.
6. Schwierige Reinigung
Da Styropor porös ist, nimmt es Flüssigkeiten oder Gerüche leichter auf, falls doch mal etwas durch den Bezug sickert. Kunststoff lässt sich dagegen einfach abwischen und hygienisch sauber halten.
Fazit
Sitzerhöhungen aus Styropor erfüllen zwar meist die gesetzlichen Mindestanforderungen (ECE R44/04 oder R129), gelten aber unter Experten als „Notlösung“ (z. B. für den Urlaub, das Taxi oder das kurze Mitnehmen von Schulkameraden).
Empfehlung: Für den täglichen Gebrauch im eigenen Auto ist eine Sitzerhöhung aus stabilem Kunststoff mit ISOFIX-Befestigung deutlich überlegen. Noch sicherer sind jedoch Kindersitze mit Rückenlehne, da nur diese einen Schutz bei einem Seitenaufprall bieten und die Schultergurtführung korrekt positionieren.