Wie werden Kaugummi-Streifen industriell in ihre flache Form gebracht?
Die industrielle Herstellung von Kaugummi-Streifen ist ein präziser Prozess, der an die Metallverarbeitung (Walzen) oder die Teigverarbeitung erinnert. Um die typische flache, gleichmäßige Form zu erhalten, durchläuft die Kaugummimasse eine sogenannte Walzenstraße.
Hier ist der schrittweise Prozess, wie aus einem dicken Klumpen ein dünner Streifen wird:
1. Die Vorbereitung (Extrusion)
Nachdem die Kaugummimasse (Gummibasis, Süßungsmittel, Sirup und Aromen) in großen Mischern homogen vermengt wurde, ist sie warm (ca. 45–50 °C) und plastisch verformbar wie weiche Knete. Diese Masse wird in einen Extruder gegeben. Das ist eine Maschine, die den Kaugummi durch eine Düse presst, sodass am Ende ein dicker, kontinuierlicher Strang (ähnlich einem Laib Brot) herauskommt.
2. Das Walzen (Kalandrieren) – Der entscheidende Schritt
Dieser dicke Strang läuft nun in die Walzenstraße. Hier wird die flache Form erzeugt:
- Stufenweise Reduktion: Der Kaugummi läuft durch mehrere Paare von rotierenden Walzen. Das erste Walzenpaar drückt den Klumpen etwas flacher, das nächste noch flacher, bis die gewünschte Enddicke (meist nur wenige Millimeter) erreicht ist.
- Präzision: Moderne Walzen sind computergesteuert und halten die Dicke auf Bruchteile von Millimetern genau ein.
- Pudern: Damit die klebrige Masse nicht an den Walzen oder später in der Verpackung kleben bleibt, wird sie während des Walzens kontinuierlich mit fein gemahlenem Puderzucker oder Zuckerersatzstoffen (wie Polyolen) bestäubt.
3. Das Vorprägen (Scoring)
Sobald die Kaugummiplatte die richtige Dicke hat, laufen Walzen mit integrierten Messern darüber, die den Kaugummi aber noch nicht ganz durchtrennen:
- Längsrillen: Ein Walzenpaar schneidet Längsrillen in die Bahn.
- Querrillen: Ein weiteres Paar schneidet die Querrillen.
- Das Ergebnis ist eine große, zusammenhängende Platte, die bereits das Muster der späteren Streifen zeigt (ähnlich wie bei einer Schokoladentafel).
4. Abkühlen und Konditionieren
In diesem Zustand ist der Kaugummi noch zu weich zum Verpacken. Die Platten fahren nun für mehrere Stunden (bis zu 24h) durch einen Kühltunnel oder werden in klimatisierten Räumen gelagert. Dabei härtet die Gummibasis aus und das Aroma stabilisiert sich.
5. Brechen und Verpacken
Nachdem der Kaugummi ausgehärtet ist, wird die Platte mechanisch entlang der vorgeprägten Rillen "gebrochen" oder geschnitten.
- Die einzelnen Streifen werden separiert.
- Sie werden sofort in die typische Aluminium- oder Papierfolie gewickelt, um das Aroma zu schützen und ein Zusammenkleben zu verhindern.
Zusammenfassung
Die flache Form entsteht also durch kontinuierliches Auswalzen eines warmen Materialstrangs, ähnlich wie man Pizzateig mit einem Nudelholz ausrollt, nur in einem industriellen Maßstab mit höchster Präzision und unter Einsatz von Trennmitteln (Puder).