Kann das häufige Kauen von Kaugummi-Streifen zu chronischen Kieferschmerzen führen?
Ja, das häufige und intensive Kauen von Kaugummi kann tatsächlich zu chronischen Kieferschmerzen führen.
In der Medizin wird dieser Themenkomplex oft unter dem Begriff CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) zusammengefasst. Das ist ein Überbegriff für strukturelle, funktionelle oder psychische Fehlregulationen der Muskel- oder Gelenkfunktion der Kiefergelenke.
Hier sind die wichtigsten Gründe, warum Kaugummikauen Probleme verursachen kann:
1. Überlastung der Kaumuskulatur
Die Kiefermuskeln (insbesondere der Musculus masseter) gehören zu den stärksten Muskeln des Körpers. Wie jeder andere Muskel können auch sie durch Dauerbeanspruchung ermüden und sich verspannen. Wenn du stundenlang Kaugummi kaust, befinden sich diese Muskeln im Dauereinsatz, was zu Triggerpunkten und chronischen Verspannungen führen kann. Diese Schmerzen können in die Schläfen, Ohren oder den Nacken ausstrahlen.
2. Belastung des Kiefergelenks (TMJ)
Das Kiefergelenk ist eines der komplexesten Gelenke im Körper. Es enthält eine kleine Knorpelscheibe (Diskus), die als Puffer dient. Durch die ständige Mahlbewegung beim Kaugummikauen wird dieses Gelenk und der Knorpel übermäßig beansprucht. Dies kann zu:
- Gelenkverschleiß (Arthrose) führen.
- Einem Knacken oder Reiben im Kiefer führen.
- Einer Diskusverlagerung führen (das Gefühl, dass der Kiefer "feststeckt").
3. Einseitiges Kauen
Viele Menschen haben die Angewohnheit, bevorzugt auf einer Seite zu kauen. Dies führt zu einer asymmetrischen Belastung. Die Muskulatur auf der einen Seite wird übermäßig trainiert (Hypertrophie), während das Gelenk auf der anderen Seite unnatürlich belastet wird. Dies bringt das gesamte Kausystem aus dem Gleichgewicht.
4. Verstärkung von Zähneknirschen (Bruxismus)
Wer ohnehin dazu neigt, nachts mit den Zähnen zu knirschen oder die Zähne aufeinanderzupressen, trainiert durch häufiges Kaugummikauen genau die Muskeln, die für das Knirschen verantwortlich sind. Das kann die nächtliche Problematik verschlimmern.
5. Begleitsymptome
Chronische Kieferschmerzen durch Kaugummi äußern sich oft nicht nur am Kiefer selbst, sondern auch durch:
- Spannungskopfschmerzen.
- Ohrenschmerzen (da das Kiefergelenk direkt vor dem Gehörgang liegt).
- Nacken- und Schulterverspannungen.
Empfehlungen:
- Dauer reduzieren: Experten empfehlen, Kaugummi nicht länger als 10 bis 15 Minuten am Stück zu kauen (z. B. nur kurz nach dem Essen zur Zahnpflege).
- Bewusst kauen: Achte darauf, nicht aggressiv zu kauen und die Seiten regelmäßig zu wechseln.
- Pausen machen: Gönne deinem Kiefer Tage, an denen du komplett auf Kaugummi verzichtest.
- Entspannungsübungen: Wenn du bereits leichte Schmerzen spürst, können sanfte Massagen der Wangenmuskulatur und Wärme helfen.
Wichtig: Wenn du bereits unter Kieferknacken, eingeschränkter Mundöffnung oder täglichen Schmerzen leidest, solltest du einen Zahnarzt aufsuchen. Dieser kann prüfen, ob bereits eine CMD vorliegt, und gegebenenfalls eine Aufbissschiene oder Physiotherapie verschreiben.