Welche Auswirkungen hat das dauerhafte Kauen von Kaugummi-Dragees auf die Kiefermuskulatur und die Gelenke?

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Das dauerhafte Kauen von Kaugummi kann sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf den Kauapparat haben. Während moderates Kauen (ca. 20 Minuten nach den Mahlzeiten) oft empfohlen wird, kann exzessives oder dauerhaftes Kauen zu einer chronischen Überlastung führen.

Hier sind die detaillierten Auswirkungen auf die Muskulatur und die Gelenke:

1. Auswirkungen auf die Kiefermuskulatur

Die Kiefermuskulatur (vor allem der Musculus masseter und der Musculus temporalis) gehört zu den stärksten Muskeln des menschlichen Körpers bezogen auf ihre Größe.

  • Hypertrophie (Muskelwachstum): Wie jeder Muskel, der ständig trainiert wird, wächst auch der Kaumuskel. Dies kann zu einer optischen Veränderung des Gesichts führen (einem „eckigeren“ Unterkiefer).
  • Muskelverspannungen und Myalgien: Dauerstress führt zu einer dauerhaften Erhöhung des Muskeltonus. Die Folge sind Verspannungen, die nicht nur im Kiefer spürbar sind, sondern in Form von Spannungskopfschmerzen oder ausstrahlenden Schmerzen in den Nacken und die Schultern auftreten können.
  • Ermüdungserscheinungen: Die Muskulatur bekommt keine Regenerationsphasen mehr. Dies kann zu einer eingeschränkten Mundöffnung führen, da die Muskeln „festmachen“.

2. Auswirkungen auf die Kiefergelenke

Die Kiefergelenke (Temporomandibulargelenke) sind hochkomplex, da sie sowohl Dreh- als auch Gleitbewegungen ausführen.

  • Verschleiß der Gelenkscheibe (Diskus): Zwischen den Gelenkknochen liegt eine Knorpelscheibe (Diskus), die als Puffer dient. Durch die ständige Mahlbewegung wird dieser Puffer unnatürlich stark belastet. Es kann zu einer Diskusverlagerung kommen.
  • Gelenkknacken: Ein häufiges Symptom dauerhaften Kaugummikauens ist ein Klicken oder Knacken beim Öffnen oder Schließen des Mundes. Dies ist oft ein Zeichen dafür, dass der Diskus nicht mehr korrekt auf dem Gelenkköpfchen sitzt.
  • Arthrose-Risiko: Langfristige Überlastung kann zu degenerative Veränderungen (Verschleiß) der knöchernen Gelenkanteile führen (Kiefergelenksarthrose).

3. Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD)

Das dauerhafte Kauen ist ein Hauptrisikofaktor für die Entstehung einer CMD. Dies ist ein Sammelbegriff für strukturelle, funktionelle und psychische Fehlregulationen der Muskel- oder Gelenkfunktion der Kiefergelenke.

  • Symptome einer CMD: Ohrenschmerzen (oft verwechselt mit einer Mittelohrentzündung), Tinnitus, Schwindel, Zähneknirschen (Bruxismus) in der Nacht als Folge der muskulären Hyperaktivität am Tag.

4. Weitere Auswirkungen (Zähne und Verdauung)

  • Zahnabnutzung: Obwohl Kaugummi weich ist, führt die ständige Reibung der Zähne aufeinander (Attrition) zu einem minimalen, aber stetigen Abtrag des Zahnschmelzes, besonders wenn man dazu neigt, den Kaugummi sehr fest zu pressen.
  • Magen-Darm-Trakt: Durch das Kauen wird dem Gehirn signalisiert, dass Nahrung kommt. Es wird vermehrt Magensäure produziert. Da keine Nahrung eintrifft, kann dies bei empfindlichen Personen zu Magenschmerzen oder Sodbrennen führen. Zudem wird beim Kauen oft Luft verschluckt (Aerophagie), was zu Blähungen führen kann.

Positive Aspekte (bei moderatem Konsum)

Um das Bild abzurunden: In Maßen (ca. 15–30 Minuten täglich) ist Kaugummikauen durchaus gesund:

  • Speichelfluss: Neutralisiert Säuren und schützt vor Karies.
  • Stressabbau: Kann helfen, Cortisol abzubauen.
  • Konzentration: Die gesteigerte Durchblutung des Kopfes kann kurzfristig die Aufmerksamkeit erhöhen.

Fazit

Wenn Sie bereits ein Knacken im Kiefer, morgendliche Verspannungen oder häufige Kopfschmerzen bemerken, sollten Sie den Kaugummikonsum drastisch reduzieren oder ganz einstellen. Zahnärzte empfehlen meist, Kaugummi nur nach dem Essen für kurze Zeit zur Zahnpflege zu nutzen, anstatt ihn über Stunden als Gewohnheit im Mund zu behalten.

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