Welchen Einfluss hat das Kauen von Kaugummi auf die menschliche Konzentrationsfähigkeit?
Der Einfluss von Kaugummikauen auf die Konzentration ist ein gut untersuchtes Thema in der Psychologie und den Neurowissenschaften. Die Forschung deutet darauf hin, dass Kaugummi tatsächlich eine positive, wenn auch zeitlich begrenzte Wirkung auf die kognitive Leistungsfähigkeit haben kann.
Hier sind die wichtigsten Erkenntnisse im Detail:
1. Steigerung der Wachsamkeit (Vigilanz)
Kaugummikauen hilft dabei, die Aufmerksamkeit über einen längeren Zeitraum aufrechtzuerhalten. Besonders bei monotonen Aufgaben (z. B. langes Lesen oder Autofahren) kann es die Müdigkeit verringern und die Reaktionszeit verbessern.
- Warum? Die rhythmische Kaubewegung stimuliert den Trigeminusnerv, was wiederum Bereiche im Hirnstamm aktiviert, die für die allgemeine Wachheit (Arousal) zuständig sind.
2. Erhöhte Durchblutung des Gehirns
Studien mit bildgebenden Verfahren (wie fMRT) haben gezeigt, dass Kauen die Durchblutung in bestimmten Hirnarealen um bis zu 25–40 % steigern kann.
- Betroffene Areale: Insbesondere der präfrontale Kortex (verantwortlich für Planung und Entscheidungen) und der Hippocampus (wichtig für das Gedächtnis) werden besser mit Sauerstoff und Glukose versorgt.
3. Stressabbau
Kauen wird oft als Ventil für Stress genutzt. Es senkt nachweislich den Spiegel des Stresshormons Cortisol im Speichel.
- Effekt: Da ein hohes Stresslevel die Konzentration blockiert, wirkt Kaugummikauen indirekt konzentrationsfördernd, indem es das Nervensystem beruhigt und die Testangst oder Nervosität reduziert.
4. Der "Aufwärm-Effekt" (Mastication-Induced Arousal)
Ein interessantes Phänomen ist, dass der stärkste Konzentrationsschub oft direkt vor oder zu Beginn einer Aufgabe auftritt. Dieser Effekt hält meist etwa 15 bis 20 Minuten an. Danach gewöhnt sich das Gehirn an den Reiz, und die leistungssteigernde Wirkung lässt nach.
5. Mögliche Nachteile und Einschränkungen
Trotz der Vorteile gibt es auch Studien, die negative oder neutrale Effekte zeigen:
- Interferenz mit dem Kurzzeitgedächtnis: Es gibt Hinweise darauf, dass die rhythmische Bewegung des Kauens die Merkfähigkeit bei Aufgaben stören kann, die eine serielle Reihenfolge erfordern (z. B. sich eine Liste von Zahlen in der richtigen Abfolge zu merken). Das Gehirn wird durch die motorische Aktivität des Kauens leicht abgelenkt ("Interferenz").
- Ablenkung: Wenn das Kaugummi seinen Geschmack verliert oder das Kauen zu intensiv wird, kann es selbst zur Quelle der Ablenkung werden.
Fazit
Kaugummikauen wirkt wie ein kurzfristiger Wachmacher. Es ist besonders effektiv, um:
- Ein Konzentrationstief zu überwinden.
- Die Reaktionsgeschwindigkeit zu erhöhen.
- Stress in Prüfungssituationen zu senken.
Es ist jedoch kein Ersatz für Pausen oder Schlaf und hilft weniger bei Aufgaben, die ein extrem hohes Maß an komplexem Kurzzeitgedächtnis erfordern.
Tipp: Wer den Effekt nutzen möchte, sollte etwa 5–10 Minuten vor einer wichtigen Aufgabe mit dem Kauen beginnen und das Kaugummi nach etwa 20 Minuten entsorgen, da die kognitiven Vorteile dann meist verpufft sind.